2025: 30 Jahre literarischer Autor - Klaus Servene - Autobiografisches & kostenlose Texte.
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| Klaus Servene, Foto: Larissa Dubjago |
Eine literarische Heimreise
Autobiografische Splitter
Aufgewachsen in den 1950iger Jahren im südwestdeutschen Hunsrück besuchte ich früh und lange den wallonischen Teil meiner Familie in Belgien, machte 1967 Abitur, studierte Germanistik und (zu viele) andere philologische Fächer an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz und an der Philipps-Universität in Marburg. Mit einem betriebswirtschaftlichen Studium und anschließenden langjährigen kaufmännischen Tätigkeiten, ab 1981 in Hamburg, in den 90igern in Westerland und in Stendal, brach ich mit der akademischen "Community" abrupt, nicht aber mit dem Leben. Dieses überraschte mich vor gut dreißig Jahren mit einer heftigen Diagnose und einer komplikationsreichen Therapie einschließlich gut dreiwöchigem Koma; und in der Folge mit weiteren fundamentalen Erfahrungen, die ich lieber nicht gemacht hätte. Andererseits wurden alte Träumereien und zaghafte Schreibversuche des Schülers und Studenten wieder präsent. So begann ich, naiv und zäh zugleich, im Jahr 1995 literarisch zu schreiben. Ich zog mit Ehefrau Anke nach Mannheim, wo wir von 1997 bis 2017 lebten und ich allmählich in der Literaturszene Rhein-Neckar Kopf, Herz und Fuß fassen konnte.
Mehrere Romane, zahlreiche Erzählungen, Kurzgeschichten und lyrische Texte erblickten nach und nach das gedimmte Licht der Welt. 2013 erscheint mein Kurzer Roman vom Fell komplett ins Bulgarische übersetzt in der von Vladimir Zarev in Sofia herausgegebenen literarischen Zeitschrift Savremennik (Zeitgenosse). 2001 initiierte ich den Andiamo Verlag und in der Folge diverse literarische Wettbewerbe, die in Kooperation mit verschiedenen Sponsoren durchgeführt wurden. Als ein Ergebnis konnte im September 2001 die Erzählung »Ein Licht über dem Kopf« von Dimitré Dinev erstveröffentlicht werden. Der Wiener Autor wurde in den folgenden Jahren zudem ein enger Freund, die Unterstützung seiner Arbeit eine Herzensangelegenheit.
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| Mit Dimitré Dinev an der Donau in Wien, September 2025 |
2008 gab ich mit der Stadt Mannheim, Sudabeh Mohafez und Dimitré Dinev die Anthologie Grenzen. Überschreiten heraus, das Buch zum Internationalen Kurzgeschichtenwettbewerb 2007 der Stadt Mannheim. 2011, 2012 (mit Thomas Frahm) und 2013 folgten die europabreviere grenzenlos. Außerdem besorgte ich Lektorat und Herausgabe des Gesamtwerks von Jan Turovski aus Bonn. Mit dem Mannheimer Wellhöfer Verlag wurde eine belletristische Edition Andiamo ins Leben gerufen. 2015 entwickelte sich eine intensive Zusammenarbeit mit dem Schauspieler und Regisseur Limeik Topchi für die Theaterbühne. Die Uraufführung des Bühnenstücks Flirt mit dem Tod folgte am 20. Mai 2016 im Mannheimer Capitol. Nathan der Weise, Aufklärung ein Fest, eine Überarbeitung von Lessings Stück für das Internationale Ensemble Unser Theater folgte.
Im Dezember 2017, wir zogen nach Hamburg zurück, wurde der Andiamo Verlag Mannheim (inklusive der Webseite www.andiamoverlag.de) aufgelöst. Die Unterstützung zeitgenössischer Literatur ging und geht natürlich dennoch weiter. Heute stelle ich fest, dass es trotz äußerst widriger Umstände gelungen ist, neben dem eigenen Schreiben über fünfzig Bücher mit Texten von über hundert anderen Autorinnen und Autoren herauszugeben. Ich bin allen Autorinnen und Autoren und für jede Unterstützung auf dem langen Weg äußerst dankbar! Und bleibe allen wortschöpferischen Menschen selbstverständlich eng und nach Kräften unterstützend verbunden. Gute Literatur verbindet und verbündet auch über schwere Zeiten und sich schließende Grenzen hinweg.
Abendstille
Wir werden schmunzelnd in den Gräbern liegen,
wir fahren nach Magnolien, was von uns bleibt
ist wechselhaft, Katzengold und Eintagsfliegen,
Badezeug, Plutonium – und natürlich Plastikfolien.
Klaus Servene, im Januar 2026
Eine Auswahl der eigenen Werke, der Beiträge und Herausgaben folgend.
Erstveröffentlichungen als Herausgeber z.B.:
Ein Licht über dem Kopf von Dimitré Dinev (2001), Zigi übers Meer von Zsuzsa Bánk (2008; ein Auszug aus ihrem noch unveröffentlichten Roman Die hellen Tage) und Der Rucksack von Massum Faryar (2008); Weitere Erstveröffentlichungen siehe auch Anthologie Grenzen.Überschreiten. – Ein Europa-Lesebuch (2007/2008 – Texte von Marica Bodrožić, Irena Brezna, Yadé Kara u.v.a.); Und: Europabreviere Grenzenlos (2011, 2012 mit Thomas Frahm, 2013).
Eigene Veröffentlichungen (Auswahl):
Hitzkopf (Roman), Mannheim 2000
Schatilah (Roman), Mannheim 2000
Deutschland-Tango (Lyrik und Kurztexte), Mannheim 2001
Das tragische Ende des August von Kotzebue (Ein szenischer Nachruf, Regie: Sascha Koal), 2002
Schandflecken (Erzählung, in: Nehmt mich beim Wort, C.Bertelsmann-Verlag, München 2003)
Zugereist (Ausgewählte Prosa 1995 bis 2007, limitierte Auflage zum Mannheimer Stadtjubiläum), 2007
Ein kurzer Roman vom Fell, (Roman), Mannheim 2007
Ein Haus in Bulgarien, (Erzählung, in: Wilde Vögel fliegen, Achter-Verlag, Acht 2009)
Als mein Herzschrittmacher streikte, (Lyrik, in: Der literarische Zaunkönig, Wien 3/2009, sowie in Ö1/ORF "Nachtbilder" 28.11.2009, gelesen von Michael Dangl)
Unter Asche, (Exzerpt aus der Erzählung, in: Im Verborgenen, Mannheimer Heinrich-Vetter Literaturpreis 2010 - Texte der Preisträger(innen) sowie der Nominierten, Literarisches Zentrum Rhein-Neckar e.V. Die Räuber 77, Mannheim 2010)
Mannheim, Germany (Stories), Achter Verlag, Acht 2010
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| Frankfurter Buchmesse 2010 |
Aus der Enge - Gedichte & Textamente (Lyrik, kurze Prosa & Essays), Verlag Rote Zahlen, Buxtehude/Berlin 2013/2014
Flirt mit dem Tod (Bühnenstück, Idee und Regie: Limeik Topchi), UA 2016
Nathan der Weise (Neue Bühnenfassung nach Lessing, Idee und Regie: Limeik Topchi), Premiere 2017
Heimreise (Kurzgeschichte), Mannheimer Morgen 2025
Herausgaben (Auswahl):
Werke von Jan Turovski, Nikolaj Tabakov, Rumjana Zacharieva, Meinrad Braun, Lyrik von Bundesanwalt Frank Wallenta u.a.
Hallo Taxi (Kurzgeschichten), Mannheim/Norderstedt 2001
Taxi-Hörbuch mit Musik (Kompakt-CD; mit Peter Tröster), Mannheim 2005
grenzen.überschreiten. ein europa-lesebuch (Kurzgeschichten; mit der Stadt Mannheim, Sudabeh Mohafez und Dimitré Dinev), Mannheim 2008
grenzenlos. ein literarisch engagiertes europabrevier (Anthologie), Mannheim 2011
europabrevier grenzenlos 2 - eine literarische Bulgarienreise, ein Puzzle & andere Wegbeschreibungen aus der Enge (Anthologie; mit Thomas Frahm), Mannheim 2012
Rumjana Zacharieva: Am Grund der Zeit. Gedichte. Neuauflage, Mannheim 2013
europabrevier grenzenlos 3 - JA. Roman von Nikolaj Tabakov. Aus dem Bulgarischen von Rumjana Zacharieva, Mannheim 2013
Würdigungen
- 2000: In der engeren Wahl für den NDL-Preis für neue deutschsprachige Romane.
- 2000: Literaturförderung der Stadt Mannheim (Kulturamt).
- 2003: Ausgewählt für die Anthologie „Nehmt mich beim Wort“; Wettbewerb der deutschen Bundesregierung („Schandflecken“).
- 2007: Literaturförderung der Stadt Mannheim (Kulturamt) – „Zugereist“.
- 2008: 3. Preis Germanwings Story Award „Geschichten vom Fliegen“ („Der Esel von Arbanassy“).
- 2009: 2. Preis Achter Autorenwettbewerb zum Thema Freiheit („Ein Haus in Bulgarien“).
- 2009: 1. Preis Erika-Mitterer-Lyrikwettbewerb; Motto: „Wer denkt vermutet, wer empfindet weiß“.
- 2009 bis 2017: Leseförderung durch den Förderkreis Deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg e. V.
- 2010: 2. Preis Literaturwettbewerb der Gemeinde Stockstadt am Rhein („Was ich weiß“).
- 2010: Zwei Lyrikpreise der Stadt Hildesheim – Jury- und Publikumspreis.
- 2010: Literaturförderung der Stadt Mannheim (Kulturamt) – „Mannheim, Germany. Stories.“
- 2011: Selma-Meerbaum-Eisinger-Literaturpreis (Publikumspreis).
- 2013: Der Förderkreis Deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg e. V. fördert die Übertragung des Romans Fell ins Bulgarische.
- 2020: Bestenliste Hildesheimer Literaturwettbewerb: In den Wind geschrieben (Publikumswertung).
- 2025: Finalist im Schreibwettbewerb des Mannheimer Morgen, Thema Macht und Mensch; Juryauswahl ("Heimreise"). Durch Onlinewahl der Leserinnen und Leser des Mannheimer Morgen erreicht die Kurzgeschichte den dritten Platz (von zwölf).
Leseprobe 1. Weltkrieg Meines Opas Weltkrieg - ein verstummter Schrei aus Vierzehnachtzehn.
Aus einem Brief an den Förderkreis deutscher Schriftsteller Baden–Württemberg (aus dem Englischen):
»Sofia, 14.Januar 2013
(...) Savremennik ist seit mehr als vierzig Jahren die führende Vierteljahresschrift für ausländische Literatur in Bulgarien. Die Philosophie unseres Magazins ist, für bulgarische Bürger und AutorInnen Türen zu anderen Teilen der Welt zu öffnen, zu anderen Sichtweisen auf die Welt (...)
In diesem Zusammenhang sind wir sehr froh (...) den kurzen Roman vom Fell von Klaus Servene zu publizieren. (...) Fell (gibt) eine eindrückliche Innenansicht in unbekannte Dimensionen deutschen Lebens, deutscher Provinz, deutscher Mentalität, in einer herausragenden und originalen literarischen Sprache, voller ausdrucksstarker Szenen und Bilder. Das ist genau, was wir suchen. Darum versichern wir (...) dass der Roman Fell, in der Übersetzung der berühmten bulgarischen Übersetzerin Emilia Draganova, vollständig in einer der Nummern unseres Magazins in 2013 veröffentlicht wird. (...) Gez. Vladimir Zarev, editor-in-chief, Vladimir Minkov 2nd editor-in-chief«
>> Wer über Klaus Servenes Sätze wandert, merkt nicht, wie begierig er bald den verschiedensten Gerüchen nacheilt. Etwas kocht. Mal in uns, mal in unserer Nähe, denn die Welt bei ihm ist ein Gericht, an dem wir, die Unersättlichen, uns die Zunge verbrennen. << Dimitré Dinev, Wien
>> Klaus Servene schreibt großherzig und sarkastisch zugleich. Ein Mensch mit einer süßen Zunge, mit einem warmen Mund, wie man in Afghanistan sagen würde.<< Massum Faryar, Berlin>> Die Bücher Klaus Servenes lassen mich nicht allein mit meiner Ahnung, dass unsere Wunden immer älter sind als wir selbst. (...) Nur aus Büchern wie denen Klaus Servenes, eines nackt und ungeschützt auf der Sprache wandelnden Zeitzeugen, erfahren wir noch von einem Deutschland, das zwischen K wie Kaiserreich und K wie K-Gruppen nicht aufgehört hat, grausame Verhärtungen zum Normalfall des Menschen im K wie Kapitalismus zu erklären.<< Thomas Frahm, Sofia
Inzwischen bin ich Ex-Herausgeber, habe nichts mehr zu verkaufen, wohl aber einen Teil meiner literarischen Arbeit zu verschenken:
Wir werden schmunzelnd in den Gräbern liegen,
wir fahren nach Magnolien, was von uns bleibt
ist wechselhaft, Katzengold und Eintagsfliegen,
Badezeug, Plutonium – und natürlich Plastikfolien.
Ausgewählte Gedichte und Textamente (1970 bis 2015), Essays und Kürzest-Texte, sowie szenische Arbeiten (ab 1995 bis 2015), zuletzt: Mühlbach verreist.
»Wer über Klaus Servenes Sätze wandert, merkt nicht, wie begierig er bald den verschiedensten Gerüchen nacheilt. Etwas kocht. Mal in uns, mal in unserer Nähe, denn die Welt bei ihm ist ein Gericht, an dem wir, die Unersättlichen, uns die Zunge verbrennen.« Dimitré Dinev, Wien
»Klaus Servene schreibt großherzig und sarkastisch zugleich. Ein Mensch mit einer süßen Zunge, mit einem warmen Mund, wie man in Afghanistan sagen würde.« Massum Faryar, Berlin
»Lebendige Geschichten, souverän und wirklichkeitsgesättigt.« Mannheimer Morgen
»Ein Schriftsteller, der tatsächlich seine Geschichten wie Kastanien aus dem Schmutz fischt und sie solange geduldig säubert, bis sie zu glänzen beginnen. Empfehlenswert.« Michael Lehmann-Pape, Leverkusen
Werkauswahl Band 3: Fell & Seife – Zwei Romane, Andiamo Verlag Mannheim 2015, 212 Seiten, kartoniert, ISBN 978-3-936625-74-5
Warum wird der deutsch-belgische Lehrer Patrick Du Trou ermordet – eine reine Namensverwechslung? Inwiefern wird der IT-Spezialist Johannes Deprez das Opfer einer Bluttat aus Eifersucht; einer Tat, die er selbst begangen hat? Und was hat Seife mit Nobels Sprengöl zu tun?
Im »kurzen Roman vom Fell« geht es um die Geschichte eines »Nazijägers«, um politische und genetische Familiengeheimnisse und Schandflecken.
»Die Spur der Seife« behandelt das Thema Gewalt aus der Sicht eines Mörders. Die Spur führt in die Karibik, nach Südindien, nach New York, in den deutschen Südwesten mit seinen Städten und letztlich in den Hunsrück.
»Eine eindrückliche Innenansicht in unbekannte Dimensionen deutschen Lebens, deutscher Provinz, deutscher Mentalität, in einer herausragenden und originalen literarischen Sprache, voller ausdrucksstarker Szenen und Bilder.« Sawrennemik, die führende bulgarische Literaturzeitschrift für ausländische Literatur (Hrsg. Vladimir Zarev), Sofia, zur Veröffentlichung des »Kurzen Romans vom Fell« 2013 in bulgarischer Übersetzung.
»Mit feiner und umfassend differenzierter Sprache, im Stil durchaus angemessen wechselnd und ebenso differenziert gezeichneten Protagonisten erzählt Servene seine beiden Geschichten verletzter Menschen (...) Rückzug von der Welt, Kampf gegen sich selbst, Ohnmacht vor jahrhundertealten Schicksalslinien und doch immer auch ein Funken Hoffnung auf Besserung, auf ein Mehr sind die inneren Themen beider Romane, die für ein intensives Lese-Erlebnis sorgen.« Michael Lehmann-Pape, Leverkusen
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Werkauswahl Band 4: Hitzkopf, Roman, Paperback, 224 Seiten, 8. Auflage Andiamo-Verlag, Mannheim 2015, ISBN 978-3-936625-72-1
Aber es geht um noch mehr, als um die Überwindung körperlicher Defekte. Es geht um Selbstbehauptung in einer interessengesteuerten Welt. Es geht um beruflichen Erfolg, um hitzige Übertreibungen, um Zukunftsängste und um Zuversicht.
»Ich stutze in den Faustschlag, der parallel zu dieser Frage kommt, genau auf mein rechtes Auge. Es kommen viele Fragen. Und noch mehr Schläge. Die Schläge sind immer wie kontrolliert. Mal fest und schmerzend, mal fast zart, wie wenn man einen Kumpel aufmuntern will. Sie tun mir weh, ihre Schläge, aber sie sind nicht vernichtend, nicht als einzelne Schläge vernichtend, verstehen Sie Brunhild? Nur in ihrer Gesamtheit sind sie vernichtend. Überall am Kopf knirscht es, und dauernd platzt was anderes auf.«
>> Was mir am Hitzkopf solchen Eindruck macht: dass du jeweils die Sprachregister draufhast, die in den Lebens- und Berufssphären der Redenden gezogen werden müssen. Ein Brüller waren Lorangs Ex-Kollege, der Versicherungsvertreter „Tach auch, Müller-Sulzbach, mein Name“ und sein hochseriöser Gegenpart Hans C. Jakobus, Generalagent. Und wenn Justus Lorang selbst sich in Rausch schreibt, dann ist das entgrenzt wie ein Blick aufs Meer ... Das ganze Material kommt locker rüber wie ein Badehandtuch, das du bei Seewind auszubreiten versuchst, aber trotz eminenter Temperamentswindstärke liegt das am Ende verblüffend akkurat im Sand, so dass man sich gern drauf niederlässt, um weiter deinen Sprachwellen nachzugucken.<< Thomas Frahm, Sofia
» ... Ein amüsanter Michel ... « (Mannheimer Morgen)
» ... Wanderer zwischen Heimat und Welt ... « (Hochwälder Wochenspiegel)
» ... literarischer Hochgenuss ... « (Trierischer Volksfreund)
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• Auferstehung •
In Ruinen wirft die Sonne
ein besonders bombastisches Licht,
doch wie im Rückzug begriffen
scheint sie – zu kapitulieren.
Aus dem Aufbruch von schweren Granaten
steigen besonders blasse Monde empor,
und nie gesehene Pflanzen erwachsen.
Innere Wesen weiden auf Gras –
als würde es sie wirklich geben.
In den Meeren zerknicken Wale Harpunen,
eine Raumstation driftet im All,
am Südpol im Eis findet man Runen –
aus der Zeit vor dem Sündenfall.
In kaputten Städten neu geborene Kinder,
am Grund des Flusses ein Klavier,
und auf wüsten Straßen stillen
tätowierte Frauen ein Fabeltier.
Hörprobe
Aus der Enge. Gedichte, 84 Seiten, Hardcover, Schutzumschlag, Lesebändchen, Andiamo-Verlag, 4. Auflage Mannheim 2015, ISBN 978-3-936625-67-7
Klaus Servene
Verlagsseitig leider vergriffen.
Denn obwohl beide Romane einander nicht bedingen, nicht aufeinander aufbauen und auch das 'Personal' in beiden Romanen verschiedenen ist, kreisen beide doch um das gleiche Thema (die Empörung, die Ohnmacht, der Angang gegen Demütigung, soziales Verbrechen und innere Verletzungen). Zudem sind beide Romane in der Struktur einander sehr ähnlich aufgebaut (die Gegenwart der jeweiligen Hauptfiguren und ausführliche Erläuterungen, Geschichten und Herleitungen aus den 'Stammbäumen' der Protagonisten, anhand derer Servene die fast Unabdingbarkeit der Vorkommnisse der Gegenwart intensiv herzuleiten versteht). Der Sprachstil, in Teilen assoziativ, und dann wieder detailliert, bis ins Kleinste schildernd, verbindet beide Romane ebenfalls im Erzählstil, der Klaus Servene zu eigen ist.
In 'Fell' wird Patrick Du Trou ermordet und es dauert fast bis zur letzten Seite, bis wirklich klar wird, inwiefern die gesamten Familienvernetzungen, die Verstrickungen eines Onkels in die Schreckensherrschaft Nazi-Deutschlands und die ohnmächtige Empörung eines Mannes gegen all dieses diesen Tod hervorgebracht haben. Ein Geflecht von Verwobenheiten, welches Bernd Kuszinski, zu Beginn des Romans noch zweiter Mann einer Catering- und Lebensmittelfirma, langsam aufdröseln wird, Schritt für Schritt, einige Generationen zurück gar. Einer, der 'der Welt virtuell' bis dato 'entglitten' war, der mit all dem Gemache dieser Welt nichts mehr zu tun hatte, sondern still für sich seine Tage ablebt. Aber auch einer, der tiefe Jugenderinnerungen an Du Trou in sich trägt, mit diesem die finnischen Frauen entdeckte und nun nicht in Ruhe gelassen wird von diesem Mord am alten Freund. Einem Freund, der als genetischen Defekt ein Stück 'Fell' am Körper trägt. Wie seine Mutter es ebenfalls trug. Eine wunde Stelle, ein Absonderungsmerkmal. Zeichen des nicht wirklich Dazugehörens. Ein Genuss ist es, diesen ersten gut 90 Seiten des ersten Romans zu folgen, so dicht vermag Servene zu erzählen und bei allem Kopfschütteln und sich Fragen des Lesers, wie denn nun all diese unverbunden wirkenden Erzählstränge zusammengehören mögen, diesen doch immer wieder bei der Stange haltend.
Ein Leseerlebnis, das sich im zweiten Roman verdichtet und fortsetzt. Dieser, nun in der Ich-Form konzipiert, erzählt von Johannes Deprez und seinem schon frühen Verhältnis zur 'Seife', mit all den Versuchen, sich 'rein zu waschen'. Rein zu waschen von abstrakten Dingen, die seine Mutter ihm innerlich auferlegte, reinzuwaschen aber auch von seiner Tat, die sein Leben von diesem Augenblick an bestimmte, als er das Büro seines besten, reichen Freundes Salman da Gama betreten hatte. Ein bester Freund, der einige Zeit in der Fremde mit Johannes Frau verbracht hat. Einfach so. Eine Tat, die daraus folgt, die fast zur Auflösung des Protagonisten in Seifenlauge führt und, als dies nicht wirklich nutzt, zur Schrumpfung und Eingrabung aus eigener Kraft.
Welch interessanter Kunstgriff, auch hier angesichts schreienden Unrechts in der Welt, angesichts sozialen Zerfalls, aber auch reinen Egoismus ein 'Herausschrumpfen' aus dieser Welt (und das mit gutem, persönlichen Grund gar), ebenfalls durch historische Verzahnung als fast schicksalhaft dargestellt, zum roten Faden zumindest des zweiten Teils von 'Seife' zu gestalten'. Nicht Nazis spielen hier die herausragende Rolle (auch, wenn diese vorkommen), weiter zurück zur Geschichte des Schinderhannes greift Servene in 'Seife' zu Erläuterungen des grundsätzlichen Problems dieser Welt in der Gegenwart. Auch hier dauert es, bis alle Fäden in ihrer Verbindung deutlich werden. Eine Geduld, die sich lohnt.
'Ich muss!'. 'Da ist der Spülstein. Vergiss die Seife nicht'. Doch eben nicht alles kann durch den Spülstein entsorgt werden und nicht alles durch Seife reingewaschen werden.
Mit feiner und umfassend differenzierter Sprache, im Stil durchaus angemessen wechselnd und ebenso differenziert gezeichneten Protagonisten erzählt Servene seine beiden Geschichten verletzter Menschen mit ihrer ganz eigenen Art, darauf zu reagieren und sich zur Wehr zu setzten (nicht immer mit Erfolg, das Böse hat die Kraft zum Gewinnen in Servenes Romanen). Rückzug von der Welt, Kampf gegen sich selbst, Ohmacht vor jahrhundertealten Schicksalslinien und doch immer auch ein Funken Hoffnung auf Besserung, auf ein Mehr sind die inneren Themen beider Romane, die für ein intensives Leseerlebnis sorgen.
Autor Klaus Servene, noch als Herausgeber - das Foto von Manfred Rinderspacher (Mannheimer Morgen) entstand am 20. August 2014.
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Mannheim, Germany
Von Namenlosen wird hier erzählt, von kleinen Leuten in großen Nöten,
vom verborgenen Leben und von frostigen Fingern. Welches Kraut ist gegen
Gewalt und Krise, gegen Krankheit und Hass, gegen Neid und Missbrauch
gewachsen? Gibt es überhaupt ein Kraut und wo kann man es finden -
mitten in der Stadt?
"Servene ist Erfinder und Dramaturg zugleich, der sich Gedemütigten,
Verletzten und Zerstörten widmet. Seine Protagonisten kämpfen und bieten
dem Leben die Stirn. Seine Schauplätze menschlicher Hoffnung und
Ängste, seine Dramatik in alltäglichen Geschichten, der geschilderte
Zerfall von Sozialstrukturen sind es, die Juroren überzeugen."
(Mannheimer Morgen).
Das Buch versammelt preisgekrönte, bislang verstreute Geschichten und neue Stories über das kleine Glück.
178
Seiten, Fadenheftung, Hardcover mit Schutzumschlag, Lesebändchen,
Achter-Verlag, Acht 2010, ISBN 978-3-9812372-45, verlagsseitig
vergriffen.
Das
Buch enthält unten zu lesende Kurzgeschichte mit gleichem Titel. Hierin
wird auf Carl Weissner angespielt, den Bukowski-Freund und Übersetzer.
Charles Bukowski hatte ein Gedicht über Mannheim verfasst: Mannheim Germany.
Rezension Glanz und Elend: »... eine faszinierende Reise durch das Unterholz der Gegenwart ...«
Mannheimer Morgen:
»Lebendige Geschichten ... souverän und wirklichkeitsgesättigt ...«
»Unaufgeregt
und schonungslos erzählt Klaus Servene in den hier versammelten Stories
über die Schattenseiten des Lebens im 21.Jahrhundert. Es sind
Geschichten über den Notfall, über den Ausnahmezustand, der zur Regel
geworden ist; Geschichten über heilige, doch unreine Orte.«
Jürgen Nielsen-Sikora, Köln
»Nicht
nur der Stil Servenes ist (...) ein zupackendes und nicht mehr
loslassendes Element, auch die auf den Punkt treffende Darstellung
seiner Protagonisten öffnet den Blick hinein in die Zerfaserung,
Vereinsamung und Isolierung menschlicher Existenz mit all ihren Folgen,
nicht ohne Lichtschimmer am Horizont zu belassen. Ein Schriftsteller,
der tatsächlich seine Geschichten wie Kastanien aus dem Schmutz fischt
und sie solange geduldig säubert, bis sie zu glänzen beginnen.
Empfehlenswert.«
Michael Lehmann-Pape, Leverkusen
Empfehlung von Barbara Kette, Lektorat der Stadtbibliothek Mannheim (Medientipp des Monats Februar 2011; www.mannheim.de):
(...) Geschichten, die – und das ist nicht übertrieben – wirklich unter die Haut gehen.
Die
Protagonisten sind immer diejenigen am Rand der Gesellschaft:
gescheiterte Künstler, aus der Haft Entlassene, eine arbeitslose
Telefonistin oder einfach Menschen in der Straßenbahn. Oft gibt es
eindeutige Hinweise auf Schauplätze in Mannheim, wie in „9 Uhr 9,
Grenadierstraße“, wo der Straßenbahn fahrende Ich-Erzähler feststellt:
“Der Paradeplatz, ein Aushängeschild dieser Stadt, ist der schönste
Niedriglohnsektor der Welt“ und „Während der Fahrt schaue ich mir die
Leute an. Eigentlich sind sie keine Arschlöscher, sie scheinen nur so,
auf den ersten Blick“.
Dann wieder Geschichten, die irgendwo in
Deutschland spielen: Ein aus der Haft Entlassener kauft seinem toten
Kamerad und Freund aus dem Knast eine Urne und füllt sie mit Asche, die
er aus drei fremden Urnen zusammengeklaut hat. Oder die Geschichte von
dem Maler, der sich mit einem Küchenmesser im Herz umbringt :“Sein Tod –
ein letztes Unikat“.
Der Autor hat einen Blick für die skurrilen
Wendungen des Lebens. Seine Geschichten sind nicht ohne einen
trockenen Humor, verfügen manchmal auch über Sarkasmus, wovon auch der
szenische Anhang: „Styx – oder die Krise ist machbar!“ zeugt. Aber immer
ist seine Sympathie auf Seiten seiner Figuren, für die er meist einen
kleinen Hoffnungsschimmer auf die Zukunft bereit hält. Lesenswert!
"Lebendige Geschichten" - Rezension Mannheimer Morgen - Thomas Groß, 28.Oktober 2010:
Die
im Schatten sieht man nicht, meinte Bert Brecht. Der Mannheimer Autor
Klaus Servene rückt gerade sie ins Licht - einen "Verrückten", dem sein
Psychiater sagt, er leide im Grunde an sich selbst, eine antriebslose
Frau, die Opfer sexuellen Missbrauchs wurde, einen Haftentlassenen,
einen Künstler, der sich wohl das Leben nahm. Durch deren Brille blickt
der Autor auf die Gegenwart, souverän und wirklichkeitsgesättigt, in
einer Art pointiertem, sozialem Realismus. "Was ist schon ein Name? Man
ist frei, wenn die Seele so stark ist, dass man keinen Namen mehr
braucht", sagt der aus der Haft entlassene Betrüger. In einer anderen
Geschichte meint der Erzähler: "Die meisten Menschen genießen das Leben
ohne Grund."
Positiv Gestimmte gibt es in diesem Prosaband freilich
auch - eine alte, kranke Frau zum Beispiel, die sagt, sie habe viele
Glücksmomente erlebt. Es gibt Menschen, die an den Rollstuhl gefesselt
sind, Kriegsversehrte oder gescheiterte Karrieristen, die der Erzähler
genau betrachtet, um in ihren Regungen den Kern ihres Wesens, ihrer
Ängste und Hoffnungen zu erhaschen.
Intensiv gelebt
Registriert wird auch Regionales. Anderswo spielen könnten dennoch viele der Texte, unter denen auch Beziehungsgeschichten mit teils fantastischen Motiven sind, die Titelgeschichte "Mannheim, Germany" aber nicht. Sie zeigt den Autor von einer ironischen, heiteren Seite: Um "Asbach-Charly" und einen "Ochgottochgott" genannten Milieukundigen geht es, eine Liebeserklärung an die Quadratestadt und an die Autorengruppe "Räuber 77", der auch Servene angehört, ist es. Die Herren erwägen, einen "dieser Schreiberlinge" zu entführen, "weil doch endlich mal einer ihre Geschichte aufschreiben musste". Denn: "Hatten sie nicht lange und intensiv genug gelebt, um ein Stückchen Unsterblichkeit zu verdienen?" Man liest hier, ironisch verschlüsselt, Servenes literarisches Selbstverständnis. Intensives Leben schildert er, spitzt zu und spart Schattenseiten nicht aus. tog
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Klaus Servene im Gespräch mit Carl Weissner (Foto aus Wikipedia)












