2025: 30 Jahre literarischer Autor Klaus Servene * Autobibliografisches * Kostenlose Texte.

Klaus Servene, Foto: Larissa Dubjago
                              Klaus Servene, Foto: Larissa Dubjago

Eine literarische Heimreise  

Im Sommer 2025 schrieb ich, herausgefordert durch das Thema Macht und Mensch (und alte Männer) für den literarischen Wettbewerb Erzähl mir was des Mannheimer Morgen eine Kurzgeschichte: Heimreise. Sie wurde von der Tageszeitung am 22. August 2025 veröffentlicht. Ausgesucht von einer Jury aus der Kulturredaktion. Nun bestimmte die Leserschaft online aus zwölf Texten sechs Erstplatzierte. Die Preisverleihung fand am 10. Oktober im Dalbergsaal der Mannheimer Stadtbibliothek statt. Dort wurden die Texte gelesen, moderiert wurde der Abend von „MM“-Kulturchef Stefan M. Dettlinger. 
 
Beide Fotos: Bernhard Wondra
 
Ich gratuliere (von links nach rechts) Peter Mudra, P.M.L. Müller, Annika Reinhardt, Andreas Haller-Salewski, Regina Rothengast; ich bedanke mich herzlich bei Bettina Franke.  
 
Bettina Franke 2025 mit der Preis-Urkunde des Mannheimer Morgen für Klaus Servenes Kurzgeschichte "Heimreise".
Und ich freue mich über den dritten Platz! 
Bettina Franke trug eine kurze Einführungsrede vor, las Heimreise und nahm den Preis für mich in Empfang. 

Meine Bücher finden Sie inzwischen fast nurmehr antiquarisch oder zur Ausleihe, z.B. in der Badischen Landesbibliothek oder in den deutschen Nationalbibliotheken in Leipzig und Frankfurt. Darum biete ich Ihnen hier bis auf Weiteres einen Titel zum kostenfreien Download an, der verlagsseitig bereits längere Zeit vergriffen ist und nicht mehr neu aufgelegt wird.  

Werkauswahl Band 1: Wilder Honig – Lyrik, Essays, Szenen, 264 Seiten, Farbfotos, kartoniert, Andiamo Verlag Mannheim 2015, ISBN 978-3-936625-73-8

Ausgewählte Gedichte und Textamente (1970 bis 2015), Essays und Kürzest-Texte, sowie szenische Arbeiten (ab 1995 bis 2015), zuletzt: Mühlbach verreist.
 
Verlagsseitig leider vergriffen.
 
Kostenfrei downloaden: Werkauswahl Band 2: Und über uns – die Brücke der Erwartung; Erzählungen, 192 Seiten, kartoniert, Andiamo Verlag Mannheim 2015, ISBN 978-3-936625-70-7 

»Was ist schon ein Name? Man ist frei, wenn die Seele so stark ist, dass man keinen Namen mehr braucht.« (Ein Haus in Bulgarien).

»Eine faszinierende Reise durch das Unterholz der Gegenwart (...) Geschichten aus Glas, die sich dem Leser ins Fleisch schneiden.« Glanz & Elend, Magazin für Literatur und Zeitkritik
 
»Lebendige Geschichten, souverän und wirklichkeitsgesättigt.« Mannheimer Morgen

»Ein Schriftsteller, der tatsächlich seine Geschichten wie Kastanien aus dem Schmutz fischt und sie solange geduldig säubert, bis sie zu glänzen beginnen. Empfehlenswert.« Michael Lehmann-Pape, Leverkusen
 
Empfehlung von Barbara Kette, Lektorat der Stadtbibliothek Mannheim (Medientipp des Monats Februar 2011; www.mannheim.de):

(...) Geschichten, die – und das ist nicht übertrieben – wirklich unter die Haut gehen.
Die Protagonisten sind immer diejenigen am Rand der Gesellschaft: gescheiterte Künstler, aus der Haft Entlassene, eine arbeitslose Telefonistin oder einfach Menschen in der Straßenbahn. Oft gibt es eindeutige Hinweise auf Schauplätze in Mannheim, wie in „9 Uhr 9, Grenadierstraße“, wo der Straßenbahn fahrende Ich-Erzähler feststellt: 
Der Paradeplatz, ein Aushängeschild dieser Stadt, ist der schönste Niedriglohnsektor der Welt“ und „Während der Fahrt schaue ich mir die Leute an. Eigentlich sind sie keine Arschlöscher, sie scheinen nur so, auf den ersten Blick“.

Dann wieder Geschichten, die irgendwo in Deutschland spielen: Ein aus der Haft Entlassener kauft seinem toten Kamerad und Freund aus dem Knast eine Urne und füllt sie mit Asche, die er aus drei fremden Urnen zusammengeklaut hat. Oder die Geschichte von dem Maler, der sich mit einem Küchenmesser im Herz umbringt: 
Sein Tod – ein letztes Unikat“.

Der Autor hat einen Blick für die skurrilen Wendungen des Lebens. Seine Geschichten sind nicht ohne einen trockenen Humor, verfügen manchmal auch über Sarkasmus (...) Aber immer ist seine Sympathie auf Seiten seiner Figuren, für die er meist einen kleinen Hoffnungsschimmer auf die Zukunft bereit hält. Lesenswert!
 
 
Verlagsseitig leider vergriffen. Aber: Kostenfrei! PDF Download Buchblock  
 

Werkauswahl Band 3: Fell & Seife – Zwei Romane, 5. Auflage Andiamo Verlag Mannheim 2015, 212 Seiten, kartoniert, ISBN 978-3-936625-74-5


Warum wird der deutsch-belgische Lehrer Patrick Du Trou ermordet – eine reine Namensverwechslung? Inwiefern wird der IT-Spezialist Johannes Deprez das Opfer einer Bluttat aus Eifersucht; einer Tat, die er selbst begangen hat? Und was hat Seife mit Nobels Sprengöl zu tun?

Im »kurzen Roman vom Fell« geht es um die Geschichte eines »Nazijägers«, um politische und genetische Familiengeheimnisse und Schandflecken.

»Die Spur der Seife« behandelt das Thema Gewalt aus der Sicht eines Mörders. Die Spur führt in die Karibik, nach Südindien, nach New York, in den deutschen Südwesten mit seinen Städten und letztlich in den Hunsrück.

»Welche Hilflosigkeit, seinen Gegner zu töten!«, sagte Mendor. ZUR LESEPROBE

»Eine eindrückliche Innenansicht in unbekannte Dimensionen deutschen Lebens, deutscher Provinz, deutscher Mentalität, in einer herausragenden und originalen literarischen Sprache, voller ausdrucksstarker Szenen und Bilder.« Sawrennemik, die führende bulgarische Literaturzeitschrift für ausländische Literatur (Hrsg. Vladimir Zarev), Sofia, zur Veröffentlichung des »Kurzen Romans vom Fell« 2013 in bulgarischer Übersetzung.

»Mit feiner und umfassend differenzierter Sprache, im Stil durchaus angemessen wechselnd und ebenso differenziert gezeichneten Protagonisten erzählt Servene seine beiden Geschichten verletzter Menschen (...) Rückzug von der Welt, Kampf gegen sich selbst, Ohnmacht vor jahrhundertealten Schicksalslinien und doch immer auch ein Funken Hoffnung auf Besserung, auf ein Mehr sind die inneren Themen beider Romane, die für ein intensives Lese-Erlebnis sorgen.« Michael Lehmann-Pape, Leverkusen 
 
»Klaus Servene schreibt großherzig und sarkastisch zugleich. Ein Mensch mit einer süßen Zunge, mit einem warmen Mund, wie man in Afghanistan sagen würde.«  Massum Faryar, Berlin  
Verlagsseitig leider vergriffen. 
 
Werkauswahl Band 4: Hitzkopf, Roman, Paperback, 224 Seiten, 8. Auflage Andiamo-Verlag, Mannheim 2015, ISBN 978-3-936625-72-1
 
1995. Die Diagnose Krebs befällt die Familie Lorang. Betroffen sind alle, erkrankt ist Justus Lorang, der nach der Überwindung des ersten Schocks umgehend seine Erinnerungen plündert und mit Hilfe seiner Frau Enni und der Ghostwriterin Brunhild von Heppe eine große Stoffsammlung beginnt. Er hat nur zehn Tage Zeit, denn dann wird er operiert und niemand kennt den Ausgang. Sein Ziel ist die Herausgabe eines »selbsttherapeutischen« eigenen Buchs, mit dem er »innere Ordnung« schaffen will, während Brunhild von Heppe eigene publizistische Absichten verfolgt und auch nicht davor zurückschreckt, Justus Lorang diversen Weggenossen gegenüber bereits für tot zu erklären. Sie ist es auch, die Regie führt, wenn mosaikartig das Leben dieses Mannes »seziert« wird, der sich selbst als »das Fleisch gewordene Copyright diverser deutscher Michels« bezeichnet. Aus dessen Tagebuchaufzeichnungen und einigen Briefen seiner diversen weiblichen wie männlichen Weggenossen scheint eine schillernde Person auf, und gleichsam mit dieser Person auch die schillernden Fragen: Woran leiden Männer, auch deutsche aus der Nachkriegsgeneration? Woran erkranken sie und kann man ihnen helfen – wollen sie überhaupt gesund werden?

Aber es geht um noch mehr, als um die Überwindung körperlicher Defekte. Es geht um Selbstbehauptung in einer interessengesteuerten Welt. Es geht um beruflichen Erfolg, um hitzige Übertreibungen, um Zukunftsängste und um Zuversicht.

»Ich stutze in den Faustschlag, der parallel zu dieser Frage kommt, genau auf mein rechtes Auge. Es kommen viele Fragen. Und noch mehr Schläge. Die Schläge sind immer wie kontrolliert. Mal fest und schmerzend, mal fast zart, wie wenn man einen Kumpel aufmuntern will. Sie tun mir weh, ihre Schläge, aber sie sind nicht vernichtend, nicht als einzelne Schläge vernichtend, verstehen Sie Brunhild? Nur in ihrer Gesamtheit sind sie vernichtend. Überall am Kopf knirscht es, und dauernd platzt was anderes auf.«

»Was mir am Hitzkopf solchen Eindruck macht: dass du jeweils die Sprachregister draufhast, die in den Lebens- und Berufssphären der Redenden gezogen werden müssen. (...) Das ganze Material kommt locker rüber wie ein Badehandtuch, das du bei Seewind auszubreiten versuchst, aber trotz eminenter Temperamentswindstärke liegt das am Ende verblüffend akkurat im Sand, so dass man sich gern drauf niederlässt, um weiter deinen Sprachwellen nachzugucken. « Thomas Frahm, Sofia
 
» ... ein Stück innerer Zeitgeschichte deutschen Daseins ... « (Michael Lehmann-Pape, Leverkusen)
» ... Ein amüsanter Michel ... « (Mannheimer Morgen)
» ... Wanderer zwischen Heimat und Welt ... « (Hochwälder Wochenspiegel)
» ... literarischer Hochgenuss ... « (Trierischer Volksfreund)
 
Verlagsseitig leider vergriffen. 

Autobibliografische Splitter
Schreiben heißt für mich humanistisch handeln, in unsicherer Zeit Gewissheiten hinterfragen, um menschlich Kurs halten und Gesicht wahren zu können. Literarisch schreiben ist darum wegweisend. Für den Anderen, und durch den Anderen für mich selbst. Ich widme(te) mein literarisches Schreiben meiner Familie. Den Toten, Lebenden und künftigen Mitgliedern. Zu ihr zählen selbstverständlich auch die Wahlverwandten aus Literatur und Leben. Ich schrieb was ich wusste, und ohne meine Familie hätte ich nichts gewusst. 

Aufgewachsen in den 1950iger Jahren im südwestdeutschen Hunsrück besuchte ich früh und lange den wallonischen Teil meiner Familie in Belgien, machte 1967 Abitur, studierte Germanistik und (zu viele) andere philologische Fächer an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz und an der Philipps-Universität in Marburg. Mit einem betriebswirtschaftlichen Studium und anschließenden langjährigen kaufmännischen Tätigkeiten, ab 1981 in Hamburg, in den 90igern in Westerland und in Stendal, brach ich mit der akademischen "Community" abrupt, nicht aber mit dem Leben. Dieses überraschte mich vor gut dreißig Jahren mit einer heftigen Diagnose und einer komplikationsreichen Therapie einschließlich gut dreiwöchigem Koma; und in der Folge mit weiteren fundamentalen Erfahrungen, die ich lieber nicht gemacht hätte. Andererseits wurden alte Träumereien und zaghafte Schreibversuche des Schülers und Studenten wieder präsent. So begann ich, naiv und zäh zugleich, im Jahr 1995 literarisch zu schreiben. Ich zog mit Ehefrau Anke nach Mannheim, wo wir von 1997 bis 2017 lebten und ich allmählich in der Literaturszene Rhein-Neckar Kopf, Herz und Fuß fassen konnte.

Mehrere Romane, zahlreiche Erzählungen, Kurzgeschichten und lyrische Texte erblickten nach und nach das gedimmte Licht der Welt. 2013 erscheint mein Kurzer Roman vom Fell komplett ins Bulgarische übersetzt in der von Vladimir Zarev in Sofia herausgegebenen literarischen Zeitschrift Savremennik (Zeitgenosse). 2001 initiierte ich den Andiamo Verlag und in der Folge diverse literarische Wettbewerbe, die in Kooperation mit verschiedenen Sponsoren durchgeführt wurden. Als ein Ergebnis konnte im September 2001 die Erzählung »Ein Licht über dem Kopf« von Dimitré Dinev erstveröffentlicht werden. Der Wiener Autor wurde in den folgenden Jahren zudem ein enger Freund, die Unterstützung seiner Arbeit eine Herzensangelegenheit. 

Klaus Servene mit Dimitré Dinev an der Donau in Wien, September 2025
Mit Dimitré Dinev an der Donau in Wien, September 2025

2008 gab ich mit der Stadt Mannheim, Sudabeh Mohafez und Dimitré Dinev die Anthologie Grenzen. Überschreiten heraus, das Buch zum Internationalen Kurzgeschichtenwettbewerb 2007 der Stadt Mannheim. 2011, 2012 (mit Thomas Frahm) und 2013 folgten die europabreviere grenzenlos. Außerdem besorgte ich Lektorat und Herausgabe des Gesamtwerks von Jan Turovski aus Bonn. Mit dem Mannheimer Wellhöfer Verlag wurde eine belletristische Edition Andiamo ins Leben gerufen. 2015 entwickelte sich eine intensive Zusammenarbeit mit dem Schauspieler und Regisseur Limeik Topchi für die Theaterbühne. Die Uraufführung des Bühnenstücks Flirt mit dem Tod folgte am 20. Mai 2016 im Mannheimer Capitol. Nathan der Weise, Aufklärung ein Fest, eine Überarbeitung von Lessings Stück für das Internationale Ensemble Unser Theater folgte.  

Im Dezember 2017, wir zogen nach Hamburg zurück, wurde der Andiamo Verlag Mannheim (inklusive der Webseite www.andiamoverlag.de) aufgelöst. Die Unterstützung zeitgenössischer Literatur ging und geht natürlich dennoch weiter. Heute stelle ich fest, dass es trotz äußerst widriger Umstände gelungen ist, neben dem eigenen Schreiben über fünfzig Bücher mit Texten von über hundert anderen Autorinnen und Autoren herauszugeben. Ich bin allen Autorinnen und Autoren und für jede Unterstützung auf dem langen Weg äußerst dankbar! Und bleibe allen wortschöpferischen Menschen selbstverständlich eng und nach Kräften unterstützend verbunden. Gute Literatur verbindet und verbündet auch über schwere Zeiten und sich schließende Grenzen hinweg.

Klaus Servene, im Januar 2026

Eine Auswahl der eigenen Werke, der Beiträge und Herausgaben folgend.

Erstveröffentlichungen als Herausgeber z.B.:  

Ein Licht über dem Kopf von Dimitré Dinev (2001), Zigi übers Meer von Zsuzsa Bánk (2008; ein Auszug aus ihrem noch unveröffentlichten Roman Die hellen Tage) und Der Rucksack von Massum Faryar (2008); Weitere Erstveröffentlichungen siehe auch Anthologie Grenzen.Überschreiten. – Ein Europa-Lesebuch (2007/2008 – Texte von Marica Bodrožić, Irena Brezna, Yadé Kara u.v.a.); Und: Europabreviere Grenzenlos (2011, 2012 mit Thomas Frahm, 2013).

Eigene Veröffentlichungen (Auswahl): 

Hitzkopf (Roman), Mannheim 2000
Schatilah (Roman), Mannheim 2000
Deutschland-Tango (Lyrik und Kurztexte), Mannheim 2001
Das tragische Ende des August von Kotzebue (Ein szenischer Nachruf, Regie: Sascha Koal), 2002
Schandflecken (Erzählung, in: Nehmt mich beim Wort, C.Bertelsmann-Verlag, München 2003)
Zugereist (Ausgewählte Prosa 1995 bis 2007, limitierte Auflage zum Mannheimer Stadtjubiläum), 2007
Ein kurzer Roman vom Fell, (Roman), Mannheim 2007
Ein Haus in Bulgarien, (Erzählung, in: Wilde Vögel fliegen, Achter-Verlag, Acht 2009)
Als mein Herzschrittmacher streikte, (Lyrik, in: Der literarische Zaunkönig, Wien 3/2009, sowie in Ö1/ORF "Nachtbilder" 28.11.2009, gelesen von Michael Dangl)
Unter Asche, (Exzerpt aus der Erzählung, in: Im Verborgenen, Mannheimer Heinrich-Vetter Literaturpreis 2010 - Texte der Preisträger(innen) sowie der Nominierten, Literarisches Zentrum Rhein-Neckar e.V. Die Räuber 77, Mannheim 2010)
Mannheim, Germany (Stories), Achter Verlag, Acht 2010

Klaus Servene Frankfurter Buchmesse 2010
Frankfurter Buchmesse 2010

 Aus der Enge - Gedichte & Textamente (Lyrik, kurze Prosa & Essays), Verlag Rote Zahlen, Buxtehude/Berlin 2013/2014
Flirt mit dem Tod (Bühnenstück, Idee und Regie: Limeik Topchi), UA 2016
Nathan der Weise (Neue Bühnenfassung nach Lessing, Idee und Regie: Limeik Topchi), Premiere 2017
Heimreise (Kurzgeschichte), Mannheimer Morgen 2025

Herausgaben (Auswahl):

Werke von Jan Turovski, Nikolaj Tabakov, Rumjana Zacharieva, Meinrad Braun, Lyrik von Bundesanwalt Frank Wallenta u.a.
Hallo Taxi (Kurzgeschichten), Mannheim/Norderstedt 2001
Taxi-Hörbuch mit Musik (Kompakt-CD; mit Peter Tröster), Mannheim 2005
grenzen.überschreiten. ein europa-lesebuch (Kurzgeschichten; mit der Stadt Mannheim, Sudabeh Mohafez und Dimitré Dinev), Mannheim 2008
grenzenlos. ein literarisch engagiertes europabrevier (Anthologie), Mannheim 2011
europabrevier grenzenlos 2 - eine literarische Bulgarienreise, ein Puzzle & andere Wegbeschreibungen aus der Enge (Anthologie; mit Thomas Frahm), Mannheim 2012
Rumjana Zacharieva: Am Grund der Zeit. Gedichte. Neuauflage, Mannheim 2013
europabrevier grenzenlos 3 - JA. Roman von Nikolaj Tabakov. Aus dem Bulgarischen von Rumjana Zacharieva, Mannheim 2013 

Würdigungen 

  • 2000: In der engeren Wahl für den NDL-Preis für neue deutschsprachige Romane.
  • 2000: Literaturförderung der Stadt Mannheim (Kulturamt).
  • 2003: Ausgewählt für die Anthologie „Nehmt mich beim Wort“; Wettbewerb der deutschen Bundesregierung („Schandflecken“).
  • 2007: Literaturförderung der Stadt Mannheim (Kulturamt) – „Zugereist“.
  • 2008: 3. Preis Germanwings Story Award „Geschichten vom Fliegen“ („Der Esel von Arbanassy“).
  • 2009: 2. Preis Achter Autorenwettbewerb zum Thema Freiheit („Ein Haus in Bulgarien“).
  • 2009: 1. Preis Erika-Mitterer-Lyrikwettbewerb; Motto: „Wer denkt vermutet, wer empfindet weiß“.
  • 2009 bis 2017: Leseförderung durch den Förderkreis Deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg e. V.
  • 2010: 2. Preis Literaturwettbewerb der Gemeinde Stockstadt am Rhein („Was ich weiß“).
  • 2010: Zwei Lyrikpreise der Stadt Hildesheim – Jury- und Publikumspreis.
  • 2010: Literaturförderung der Stadt Mannheim (Kulturamt) – „Mannheim, Germany. Stories.“
  • 2011: Selma-Meerbaum-Eisinger-Literaturpreis (Publikumspreis).
  • 2013: Der Förderkreis Deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg e. V. fördert die Übertragung des Romans Fell ins Bulgarische.
  • 2020: Bestenliste Hildesheimer Literaturwettbewerb: In den Wind geschrieben (Publikumswertung).
  • 2025: Finalist im Schreibwettbewerb des Mannheimer Morgen, Thema Macht und Mensch; Juryauswahl ("Heimreise"). Durch Onlinewahl der Leserinnen und Leser des Mannheimer Morgen erreicht die Kurzgeschichte den dritten Platz (von zwölf).

Leseprobe 1. Weltkrieg  Meines Opas Weltkrieg - ein verstummter Schrei aus Vierzehnachtzehn.


Aus einem Brief an den Förderkreis deutscher Schriftsteller Baden–Württemberg (aus dem Englischen):

»Sofia, 14.Januar 2013

(...) Savremennik ist seit mehr als vierzig Jahren die führende Vierteljahresschrift für ausländische Literatur in Bulgarien. Die Philosophie unseres Magazins ist, für bulgarische Bürger und AutorInnen Türen zu anderen Teilen der Welt zu öffnen, zu anderen Sichtweisen auf die Welt (...)
In diesem Zusammenhang sind wir sehr froh (...) den kurzen Roman vom Fell von Klaus Servene zu publizieren. (...) Fell (gibt) eine eindrückliche Innenansicht in unbekannte Dimensionen deutschen Lebens, deutscher Provinz, deutscher Mentalität, in einer herausragenden und originalen literarischen Sprache, voller ausdrucksstarker Szenen und Bilder. Das ist genau, was wir suchen. Darum versichern wir (...) dass der Roman Fell, in der Übersetzung der berühmten bulgarischen Übersetzerin Emilia Draganova, vollständig in einer der Nummern unseres Magazins in 2013 veröffentlicht wird. (...) Gez. Vladimir Zarev, editor-in-chief, Vladimir Minkov 2nd editor-in-chief«
 
Die Übersetzung wurde finanziert vom Förderkreis Deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg e.V. mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

Aus der Presse:

 
 
Andiamo Verlag im Mannheimer Morgen Hier. 
 
Weitere Artikel im Mannheimer Morgen Hier.

Glanz und Elend
 
>> Wer über Klaus Servenes Sätze wandert, merkt nicht, wie begierig er bald den verschiedensten Gerüchen nacheilt. Etwas kocht. Mal in uns, mal in unserer Nähe, denn die Welt bei ihm ist ein Gericht, an dem wir, die Unersättlichen, uns die Zunge verbrennen. << Dimitré Dinev, Wien
 
>> Klaus Servene schreibt großherzig und sarkastisch zugleich. Ein Mensch mit einer süßen Zunge, mit einem warmen Mund, wie man in Afghanistan sagen würde.<< Massum Faryar, Berlin

>> Die Bücher Klaus Servenes lassen mich nicht allein mit meiner Ahnung, dass unsere Wunden immer älter sind als wir selbst. (...) Nur aus Büchern wie denen Klaus Servenes, eines nackt und ungeschützt auf der Sprache wandelnden Zeitzeugen, erfahren wir noch von einem Deutschland, das zwischen K wie Kaiserreich und K wie K-Gruppen nicht aufgehört hat, grausame Verhärtungen zum Normalfall des Menschen im K wie Kapitalismus zu erklären.<< Thomas Frahm, Sofia

***
Ebenfalls vergriffen: Aus der Enge. Gedichte, Textamente, Essays, 132 Seiten, Paperback, Edition Rote Zahlen, 3. Auflage Buxtehude 2014, ISBN 978-3-944643-38-0

• Auferstehung •

In Ruinen wirft die Sonne
ein besonders bombastisches Licht,
doch wie im Rückzug begriffen
scheint sie – zu kapitulieren.

Aus dem Aufbruch von schweren Granaten
steigen besonders blasse Monde empor,
und nie gesehene Pflanzen erwachsen.
Innere Wesen weiden auf Gras –
als würde es sie wirklich geben.

In den Meeren zerknicken Wale Harpunen,
eine Raumstation driftet im All,
am Südpol im Eis findet man Runen –
aus der Zeit vor dem Sündenfall.

In kaputten Städten neu geborene Kinder,
am Grund des Flusses ein Klavier,
und auf wüsten Straßen stillen
tätowierte Frauen ein Fabeltier.

Hörprobe

Aus der Enge. Gedichte, 84 Seiten, Hardcover, Schutzumschlag, Lesebändchen, Andiamo-Verlag, 4. Auflage Mannheim 2015, ISBN 978-3-936625-67-7 
 
»Man schwimmt und erreicht kein Land. Da freut es einen schon, wenn man eine Boje sieht. Man wird sich an ihr festhalten wollen, um innezuhalten, etwas auszuruhen. So ging und geht es mir schon seit meiner Schülerzeit mit Lyrik. Aber was ich damals mit eigener Feder festzuhalten glaubte, habe ich längst verloren oder weggeworfen. Doch ein paar selbst gefischte Perlen aus den Siebzigern, und natürlich das Beste meiner Lyrik seit Mitte der Neunziger, haben es in dieses Buch geschafft. Ich hoffe zu Recht – denn wenn Lyrik nicht immer wieder neuen Halt bietet, im Lesen und im Schreiben, neuen Grund, den Blick auf die Welt und das Leben zu schärfen, geht sie unter.«
Klaus Servene
Verlagsseitig leider vergriffen.
 
 
 
Michael Lehmann-Pape, Leverkusen, zu Fell & Seife
 
Hoffnung und Scheitern
 
Einen 'Doppelroman' nennt Klaus Servene diese Kompilation aus zwei Romanen, die zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sind ('Seife' erschienen im Jahr 2000, 'Fell' erschienen 2007). Und dies ist ein guter Titel.

Denn obwohl beide Romane einander nicht bedingen, nicht aufeinander aufbauen und auch das 'Personal' in beiden Romanen verschiedenen ist, kreisen beide doch um das gleiche Thema (die Empörung, die Ohnmacht, der Angang gegen Demütigung, soziales Verbrechen und innere Verletzungen). Zudem sind beide Romane in der Struktur einander sehr ähnlich aufgebaut (die Gegenwart der jeweiligen Hauptfiguren und ausführliche Erläuterungen, Geschichten und Herleitungen aus den 'Stammbäumen' der Protagonisten, anhand derer Servene die fast Unabdingbarkeit der Vorkommnisse der Gegenwart intensiv herzuleiten versteht). Der Sprachstil, in Teilen assoziativ, und dann wieder detailliert, bis ins Kleinste schildernd, verbindet beide Romane ebenfalls im Erzählstil, der Klaus Servene zu eigen ist.

In 'Fell' wird Patrick Du Trou ermordet und es dauert fast bis zur letzten Seite, bis wirklich klar wird, inwiefern die gesamten Familienvernetzungen, die Verstrickungen eines Onkels in die Schreckensherrschaft Nazi-Deutschlands und die ohnmächtige Empörung eines Mannes gegen all dieses diesen Tod hervorgebracht haben. Ein Geflecht von Verwobenheiten, welches Bernd Kuszinski, zu Beginn des Romans noch zweiter Mann einer Catering- und Lebensmittelfirma, langsam aufdröseln wird, Schritt für Schritt, einige Generationen zurück gar. Einer, der 'der Welt virtuell' bis dato 'entglitten' war, der mit all dem Gemache dieser Welt nichts mehr zu tun hatte, sondern still für sich seine Tage ablebt. Aber auch einer, der tiefe Jugenderinnerungen an Du Trou in sich trägt, mit diesem die finnischen Frauen entdeckte und nun nicht in Ruhe gelassen wird von diesem Mord am alten Freund. Einem Freund, der als genetischen Defekt ein Stück 'Fell' am Körper trägt. Wie seine Mutter es ebenfalls trug. Eine wunde Stelle, ein Absonderungsmerkmal. Zeichen des nicht wirklich Dazugehörens. Ein Genuss ist es, diesen ersten gut 90 Seiten des ersten Romans zu folgen, so dicht vermag Servene zu erzählen und bei allem Kopfschütteln und sich Fragen des Lesers, wie denn nun all diese unverbunden wirkenden Erzählstränge zusammengehören mögen, diesen doch immer wieder bei der Stange haltend.

Ein Leseerlebnis, das sich im zweiten Roman verdichtet und fortsetzt. Dieser, nun in der Ich-Form konzipiert, erzählt von Johannes Deprez und seinem schon frühen Verhältnis zur 'Seife', mit all den Versuchen, sich 'rein zu waschen'. Rein zu waschen von abstrakten Dingen, die seine Mutter ihm innerlich auferlegte, reinzuwaschen aber auch von seiner Tat, die sein Leben von diesem Augenblick an bestimmte, als er das Büro seines besten, reichen Freundes Salman da Gama betreten hatte. Ein bester Freund, der einige Zeit in der Fremde mit Johannes Frau verbracht hat. Einfach so. Eine Tat, die daraus folgt, die fast zur Auflösung des Protagonisten in Seifenlauge führt und, als dies nicht wirklich nutzt, zur Schrumpfung und Eingrabung aus eigener Kraft.

Welch interessanter Kunstgriff, auch hier angesichts schreienden Unrechts in der Welt, angesichts sozialen Zerfalls, aber auch reinen Egoismus ein 'Herausschrumpfen' aus dieser Welt (und das mit gutem, persönlichen Grund gar), ebenfalls durch historische Verzahnung als fast schicksalhaft dargestellt, zum roten Faden zumindest des zweiten Teils von 'Seife' zu gestalten'. Nicht Nazis spielen hier die herausragende Rolle (auch, wenn diese vorkommen), weiter zurück zur Geschichte des Schinderhannes greift Servene in 'Seife' zu Erläuterungen des grundsätzlichen Problems dieser Welt in der Gegenwart. Auch hier dauert es, bis alle Fäden in ihrer Verbindung deutlich werden. Eine Geduld, die sich lohnt.
'Ich muss!'. 'Da ist der Spülstein. Vergiss die Seife nicht'. Doch eben nicht alles kann durch den Spülstein entsorgt werden und nicht alles durch Seife reingewaschen werden.

Mit feiner und umfassend differenzierter Sprache, im Stil durchaus angemessen wechselnd und ebenso differenziert gezeichneten Protagonisten erzählt Servene seine beiden Geschichten verletzter Menschen mit ihrer ganz eigenen Art, darauf zu reagieren und sich zur Wehr zu setzten (nicht immer mit Erfolg, das Böse hat die Kraft zum Gewinnen in Servenes Romanen). Rückzug von der Welt, Kampf gegen sich selbst, Ohmacht vor jahrhundertealten Schicksalslinien und doch immer auch ein Funken Hoffnung auf Besserung, auf ein Mehr sind die inneren Themen beider Romane, die für ein intensives Leseerlebnis sorgen.

Autor Klaus Servene, noch als Herausgeber - das Foto von Manfred Rinderspacher (Mannheimer Morgen) entstand am 20. August 2014. 

Autor Klaus Servene, noch als Herausgeber - das Foto von Manfred Rinderspacher (Mannheimer Morgen) entstand am 20. August 2014. 

*** 

Mannheim, Germany 

Von Namenlosen wird hier erzählt, von kleinen Leuten in großen Nöten, vom verborgenen Leben und von frostigen Fingern. Welches Kraut ist gegen Gewalt und Krise, gegen Krankheit und Hass, gegen Neid und Missbrauch gewachsen? Gibt es überhaupt ein Kraut und wo kann man es finden - mitten in der Stadt?

Servene ist Erfinder und Dramaturg zugleich, der sich Gedemütigten, Verletzten und Zerstörten widmet. Seine Protagonisten kämpfen und bieten dem Leben die Stirn. Seine Schauplätze menschlicher Hoffnung und Ängste, seine Dramatik in alltäglichen Geschichten, der geschilderte Zerfall von Sozialstrukturen sind es, die Juroren überzeugen. (Mannheimer Morgen).

Das Buch versammelt preisgekrönte, bislang verstreute Geschichten und neue Stories über das kleine Glück.

178 Seiten, Fadenheftung, Hardcover mit Schutzumschlag, Lesebändchen, Achter-Verlag, Acht 2010, ISBN 978-3-9812372-45, verlagsseitig vergriffen.

Das Buch enthält eine Kurzgeschichte mit gleichem Titel. Hierin wird auf Carl Weissner angespielt, den Bukowski-Freund und Übersetzer. Charles Bukowski hatte ein Gedicht über Mannheim verfasst: Mannheim Germany.  

Rezension Glanz und Elend: »... eine faszinierende Reise durch das Unterholz der Gegenwart ...«

Mannheimer Morgen: »Lebendige Geschichten ... souverän und wirklichkeitsgesättigt ...« 

»Unaufgeregt und schonungslos erzählt Klaus Servene in den hier versammelten Stories über die Schattenseiten des Lebens im 21.Jahrhundert. Es sind Geschichten über den Notfall, über den Ausnahmezustand, der zur Regel geworden ist; Geschichten über heilige, doch unreine Orte.«
Jürgen Nielsen-Sikora, Köln

»Nicht nur der Stil Servenes ist (...) ein zupackendes und nicht mehr loslassendes Element, auch die auf den Punkt treffende Darstellung seiner Protagonisten öffnet den Blick hinein in die Zerfaserung, Vereinsamung und Isolierung menschlicher Existenz mit all ihren Folgen, nicht ohne Lichtschimmer am Horizont zu belassen. Ein Schriftsteller, der tatsächlich seine Geschichten wie Kastanien aus dem Schmutz fischt und sie solange geduldig säubert, bis sie zu glänzen beginnen. Empfehlenswert.«
Michael Lehmann-Pape, Leverkusen

Empfehlung von Barbara Kette, Lektorat der Stadtbibliothek Mannheim (Medientipp des Monats Februar 2011; www.mannheim.de):

(...) Geschichten, die – und das ist nicht übertrieben – wirklich unter die Haut gehen.
Die Protagonisten sind immer diejenigen am Rand der Gesellschaft: gescheiterte Künstler, aus der Haft Entlassene, eine arbeitslose Telefonistin oder einfach Menschen in der Straßenbahn. Oft gibt es eindeutige Hinweise auf Schauplätze in Mannheim, wie in „9 Uhr 9, Grenadierstraße“, wo der Straßenbahn fahrende Ich-Erzähler feststellt: “Der Paradeplatz, ein Aushängeschild dieser Stadt, ist der schönste Niedriglohnsektor der Welt“ und „Während der Fahrt schaue ich mir die Leute an. Eigentlich sind sie keine Arschlöscher, sie scheinen nur so, auf den ersten Blick“.

Dann wieder Geschichten, die irgendwo in Deutschland spielen: Ein aus der Haft Entlassener kauft seinem toten Kamerad und Freund aus dem Knast eine Urne und füllt sie mit Asche, die er aus drei fremden Urnen zusammengeklaut hat. Oder die Geschichte von dem Maler, der sich mit einem Küchenmesser im Herz umbringt: “Sein Tod – ein letztes Unikat“.

Der Autor hat einen Blick für die skurrilen Wendungen des Lebens. Seine Geschichten sind nicht ohne einen trockenen Humor, verfügen manchmal auch über Sarkasmus, wovon auch der szenische Anhang: „Styx – oder die Krise ist machbar!“ zeugt. Aber immer ist seine Sympathie auf Seiten seiner Figuren, für die er meist einen kleinen Hoffnungsschimmer auf die Zukunft bereit hält. Lesenswert!

"Lebendige Geschichten" - Rezension Mannheimer Morgen - Thomas Groß, 28.Oktober 2010: 

Die im Schatten sieht man nicht, meinte Bert Brecht. Der Mannheimer Autor Klaus Servene rückt gerade sie ins Licht - einen "Verrückten", dem sein Psychiater sagt, er leide im Grunde an sich selbst, eine antriebslose Frau, die Opfer sexuellen Missbrauchs wurde, einen Haftentlassenen, einen Künstler, der sich wohl das Leben nahm. Durch deren Brille blickt der Autor auf die Gegenwart, souverän und wirklichkeitsgesättigt, in einer Art pointiertem, sozialem Realismus. "Was ist schon ein Name? Man ist frei, wenn die Seele so stark ist, dass man keinen Namen mehr braucht", sagt der aus der Haft entlassene Betrüger. In einer anderen Geschichte meint der Erzähler: "Die meisten Menschen genießen das Leben ohne Grund."
Positiv Gestimmte gibt es in diesem Prosaband freilich auch - eine alte, kranke Frau zum Beispiel, die sagt, sie habe viele Glücksmomente erlebt. Es gibt Menschen, die an den Rollstuhl gefesselt sind, Kriegsversehrte oder gescheiterte Karrieristen, die der Erzähler genau betrachtet, um in ihren Regungen den Kern ihres Wesens, ihrer Ängste und Hoffnungen zu erhaschen.

Intensiv gelebt

Registriert wird auch Regionales. Anderswo spielen könnten dennoch viele der Texte, unter denen auch Beziehungsgeschichten mit teils fantastischen Motiven sind, die Titelgeschichte "Mannheim, Germany" aber nicht. Sie zeigt den Autor von einer ironischen, heiteren Seite: Um "Asbach-Charly" und einen "Ochgottochgott" genannten Milieukundigen geht es, eine Liebeserklärung an die Quadratestadt und an die Autorengruppe "Räuber 77", der auch Servene angehört, ist es. Die Herren erwägen, einen "dieser Schreiberlinge" zu entführen, "weil doch endlich mal einer ihre Geschichte aufschreiben musste". Denn: "Hatten sie nicht lange und intensiv genug gelebt, um ein Stückchen Unsterblichkeit zu verdienen?" Man liest hier, ironisch verschlüsselt, Servenes literarisches Selbstverständnis. Intensives Leben schildert er, spitzt zu und spart Schattenseiten nicht aus. tog 


Klaus Servene im Gespräch mit Carl Weissner (Foto aus Wikipedia)

Edition Andiamo im Wellhöfer-Verlag

 

Foscolo sah auf die Karte. Er legte seinen Finger auf einen Abschnitt links außen, einige vierzig Meilen nordwestlich von Lewis.
»Dort möchte ich hin.«
»Da ist nichts«, sagte ich.
»Man sagt das so leicht. Da ist nichts, sagt man, weil man Erklärungen bevorzugt.«

 
Meinrad Braun nimmt den Leser mit auf eine literarische Schiffsreise. Sie handelt zugleich davon, dass man von sich selbst heimgesucht werden kann, wo immer man sich auch befindet. Der Skipper David Horn und sein exzentrischer Auftraggeber Daniele Foscolo sind Gegenspieler eines »Ich«, das sich auf bestürzende Weise selbst entdeckt. Auf einer Reise durch die letzte Landschaft, die noch Rätsel aufgibt: Das Meer.

Mannheim 2013, ISBN: 978-3-95428-133-6, 120 Seiten


Sind erdachte Kriege besser als wirkliche? Natürlich, und es wäre schön, wenn alle modernen Kriege bloß erdacht wären! In der russischen Millionenstadt Rostov lebt die Familie Krylov. Der Geschichtslehrer, seine Frau und die Zwillingstöchter. Tatjana hat sich in den jungen Martin verliebt, er kommt aus einem kleinen Dorf in Bulgarien. Während ihre Schwester Swetlana Karriere im Profi-Tennis macht und bald in Kalifornien lebt, wird sie in Moskau studieren. Auch Gorschkov, der jüngste Gouverneur Russlands, lebt in Rostov, verstrickt in seine Liebschaften und den alltäglichen politischen Streit ... Da bricht in Südosteuropa der Krieg aus.

Tabakovs Fabel um Liebe, Eifersucht, Gewalt und Krieg, die in Südrussland, Bulgarien und in westlichen Metropolen spielt, ist in Bulgarien als »Bester Roman des Jahres« preisgekrönt worden. Vielschichtig und figurenreich bringt der Autor die archaischen Grundmuster des modernen Lebens zum Klingen. Doch selbst in der traurigsten Ausweglosigkeit findet sich Hoffnung und Trost: Es wird nicht immer so sein!

Mannheim 2015, ISBN: 978-3-95428-162-6, 496 Seiten

Übersetzung aus dem Bulgarischen: Rumjana Zacharieva 

 

Besser du widersetzt dich! Sieh die Tannen, wie sie mit dem Sturm kämpfen, wie sie sich zur Wehr setzen, sobald der Wind aufkommt. Sie bewegen die Spitzen der Äste, stechen mit ihren Nadeln, heilen ihre Wunden mit dem eigenen Harz. Und sie unterliegen auch, selbstverständlich. Werden zu Asche. Genau wie die Menschen! Sie rebellieren, springen gegen den Himmel, wollen sogar das Reich Gottes einnehmen. Sie wollen alles haben, und was bekommen sie? Nur graue Asche.

Die Idylle im Tal Stram, im Süden Bulgariens gelegen, täuscht. Als Neureiche aus der Stadt versuchen, Boden zu gewinnen, das Tal in eine Immobilie zu verwandeln, gerät selbst der türkisch-stämmige Schmied Nuri in aufrührerische Wallung. Das Tal, Projektionsfläche von Tradition, Kultur und individuellen Lebensentwürfen steht zur Disposition. Wie wird es enden mit den Leuten vom Stram-Tal? Mit der schönen Bozhana, mit Kamen und Wesko? Mit dem Kampf um  die Erhaltung der eigenen Würde, um Lebenssinn?

Die Zwiespältigkeit im Menschen zwischen Tradition und Zukunft wird hier »am Puls der Zeit« packend erfasst. Nikolaj Tabakov, in seiner Heimat bekannt und gerühmt für seine »saftige bulgarische Sprache«, entwirft in der Tradition des Schelmenromans ein tragikomisches Panorama der Lebenswirklichkeit im heutigen Europa. Erstmals erscheint ein Werk des Autors in deutscher Sprache.

Mannheim 2013: Europabrevier – Band 3, 460 Seiten

Übersetzung aus dem Bulgarischen: Rumjana Zacharieva 

 




 

 
 


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