Zum Autor Jan Turovski

Geboren in Bielefeld, lebt derzeit in Bonn.
Romane, Kurzgeschichten, Lyrik, Theaterstücke.
Studienjahre in Cambridge, London und Paris.
Amerika-Aufenthalte.
Cambridge University Certificate of Proficiency in English. Cambridge Diploma in English Language.
Sorbonne Diplôme de langue et civilisation françaises.
Student trainee der Fa. Selfridges Ltd. London.
3 x Granta-Preis für die Short Stories Purgatory, The Witness und Blue Glass.
‘Prix Littéraire Européen Arthur Rimbaud 2000’ für die unveröffentlichten Manuskripte Sophie fatale ... (Roman) und Die blaue Provinz (Gedichte).
Mitarbeit an die horen, The London Magazine, Lyrik- Anthologien, sowie an Rowohlts Don-Juan-Anthologie, ‘Geschichten zwischen Liebe und Tod’.
Beiträge in Zeitungen, Zeitschriften, Rezensionen usw.

Buch-Publikationen:

1988: Die Sonntage des Herrn Kopanski, Roman, Benziger Verlag/Zürich.
1995: Der Rücken des Vaters, Roman, Avlos Verlag.
1997: Vor(w)orte der Liebe, Gedichte, Avlos Verlag.
2002: Sweet Home, Kurzgeschichten, bei Ango Boy.
2012: Berni, Bastian und Therese, Novelle, Bouvier Verlag

Sowie 8 Romane beim Andiamo-Verlag, Mannheim:

Der Fall Odile Féret, 2017. kartoniert - ISBN 978-3-936625-85-1

Polnische Dörfer, 2016, kartoniert, 220 Seiten, – ISBN 978-3-936625-80-6

Millingers Bart,2016, kartoniert, 236 Seiten, – ISBN 978-3-936625-79-0

Almuts Affären, 2015, kartoniert, 200 Seiten – ISBN 978-3-936625-78-3

Der lange Arm, 2015, kartoniert, 196 Seiten, – ISBN 978-3-936625-57-8

Das sprichwörtliche Leben,2014, kartoniert, 184 Seiten, – 2. Auflage 2015; ISBN 978-3-936625-77-6

Sophie fatale ..., 2014, kartoniert, 200 Seiten – 2. Auflage 2015; ISBN 978-3-936625-75-2 

Der Rücken des Vaters, 2013, kartoniert, 156 Seiten, – 3. Auflage 2015; ISBN 978-3-936625-76-9

Edition Andiamo Bücher

Herzlich willkommen!

Seit dem Jahr 2000 haben wir mit großen Publikumsverlagen, wie auch mit kleinen oder mittelständischen "klassischen" Verlagen sehr gute (aber auch weniger gute) Erfahrungen gemacht, all die Jahre war die Qualität der Texte für uns ausschlaggebend, nicht der Herstellungs- bzw. Vertriebsweg. Das soll so weiterhin der Fall sein.

Wir werben hier ehrenamtlich für ausgesuchte Titel. Und zwar auf Rechnung und in Verantwortung der betreffenden AutorInnen. Die Bücher können zum großen Teil nur lieferbar gehalten werden, weil nicht mit hohen Absatzzahlen und hohen Lagerkosten kalkuliert werden muss. Das ist nur möglich durch die Herstellung im Print-On-Demand-Verfahren. Ihr Händler besorgt Ihnen Ihr Wunschbuch gerne, wenn der Titel nicht im Geschäft vorrätig sein sollte.

Edition-Andiamo-Lyrik im Onlineshop bei BoD, Norderstedt mit Leseproben:

Am Grund der Zeit von Rumjana Zacharieva (Rumjana Zacharieva publiziert im S. Fischer Verlag, Frankfurt und im Horlemann Verlag, Berlin.)

Zustände und Abgründe von Frank Wallenta

An Frauen von Thomas Frahm (Thomas Frahm publiziert im Hanser Verlag, München und im eigenen Chora Verlag, Duisburg.)

Im Zeitwirbel von Farhad Ahmadkhan

Geheimgesellschaft deiner Seele von Farhad Ahmadkhan

Sehsucht von Darina Schmeider

Aus der Enge von Klaus Servene(Klaus Servene hat in mehreren Verlagen - wie dem C. Bertelsmann Verlag, München - und überwiegend im Andiamo-Verlag, Mannheim publiziert.)

Ratgeber Kreatives Schreiben: Erntezeit von Helga Köbler-Stählin

Edition-Andiamo-Romane im Onlineshop bei BoD, Norderstedt mit Leseproben:

Julia Richter

Klaus Servene

Jan Turovski

Im Buchhandel gleichfalls lieferbar: Drei "klassisch" gedruckte Titel in der Edition Andiamo im Mannheimer Wellhöfer Verlag von Nikolaj Tabakov und Meinrad Braun Hier.

Biobibliografisches zu Klaus Servene

Ich schreibe keine Erinnerungen - ich schreibe was ich weiß.

In Marburg geboren, aufgewachsen im Hunsrück, Germanistikstudium in Mainz und Marburg; rund zwanzig Jahre in Norddeutschland gearbeitet und gelebt; seit 1995 literarischer Autor; Lyrik, Kurztexte, Stücke, Erzählungen, Romane; ab 2001 auch Herausgeber und Literaturvermittler. Inzwischen etliche eigene Bücher publiziert und über 50 Bücher anderer Autorinnen und Autoren. Diverse Beiträge in Sammelwerken. 2013 wird Ein kurzer Roman vom Fell in der Übersetzung von Emilia Draganova komplett im Sawremennik veröffentlicht, der führenden Zeitschrift für ausländische Literatur in Bulgarien; Verschiedene Literaturpreise und Förderungen.

Erstveröffentlichungen als Herausgeber z.B.: Ein Licht über dem Kopf von Dimitré Dinev (2000), Zigi übers Meer von Zsuzsa Bánk (2008; ein Auszug aus ihrem noch unveröffentlichten Roman Die hellen Tage) und Der Rucksack von Massum Faryar (2008); Lektorat und Herausgabe (mit der Stadt Mannheim, Sudabeh Mohafez und Dimitré Dinev) der Anthologie Grenzen.Überschreiten. – Ein Europa-Lesebuch (2007/2008 – Texte von Marica Bodrožić, Irena Brezna, Yadé Kara u.v.a.); Lektorat und Herausgabe der Europabreviere Grenzenlos (2011, 2012 mit Thomas Frahm, 2013). 

Einer meiner Lieblingssätze aus eigener Feder lautet: "Man ist frei, wenn die Seele so stark ist, dass man keinen Namen mehr braucht." Dennoch: Mit Freude habe ich das Gedicht von Bonn nach Mannheim – an Klaus Servene von Rumjana Zacharieva gelesen (in: traumwechselstörung, Edition Voss, Lyrikpapyri, Horlemann Verlag Berlin 2013),und auch die Widmung von Jürgen Nielsen-Sikora in seinem Essay über Europa: Das Ende der Barbarei. Sie lautet: „Klaus Servene, dem unermüdlichen Europäer.“ (Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2012). Mit doppelter Freude erfüllt mich Massum Faryars Danksagung am Ende seines Romans Buskaschi oder Der Teppich meiner Mutter, das Werk ist endlich bewerkstelligt & dann denkt er auch noch ausgerechnet an mich! (Kiepenheuer & Witsch 2015)

Ich bin seit 1986 verheiratet, wir sind seit 1997 Wahl-Mannheimer. Mit unserer Enkelin leben Sohn und Schwiegertochter in Hamburg.

Eigene Veröffentlichungen (Auswahl):

Hitzkopf (Roman), Mannheim 2000
Schatilah (Roman), Mannheim 2000
Deutschland-Tango (Lyrik und Kurztexte), Mannheim 2001
Das tragische Ende des August von Kotzebue (Ein szenischer Nachruf, Regie: Sascha Koal), 2002
Schandflecken (Erzählung, in: Nehmt mich beim Wort, C.Bertelsmann-Verlag, München 2003)
Zugereist (Ausgewählte Prosa 1995 bis 2007, limitierte Auflage zum Mannheimer Stadtjubiläum), 2007
Ein kurzer Roman vom Fell, (Roman), Mannheim 2007
Ein Haus in Bulgarien, (Erzählung, in: Wilde Vögel fliegen, Achter-Verlag, Acht 2009)
Als mein Herzschrittmacher streikte, (Lyrik,in: Der literarische Zaunkönig, Wien 3/2009, sowie in Ö1/ORF "Nachtbilder" 28.11.2009, gelesen von Michael Dangl)
Unter Asche, (Exzerpt aus der Erzählung, in: Im Verborgenen, Mannheimer Heinrich-Vetter Literaturpreis 2010 - Texte der Preisträger(innen) sowie der Nominierten, Literarisches Zentrum Rhein-Neckar e.V. Die Räuber 77, Mannheim 2010)
Mannheim, Germany (Stories), Achter Verlag, Acht 2010
Aus der Enge - Gedichte & Textamente (Lyrik, kurze Prosa & Essays), Buxtehude/Berlin 2013/2014
Flirt mit dem Tod (Bühnenstück, Idee und Regie: Limeik Topchi), UA 2016
Nathan der Weise (Neue Bühnenfassung, Idee und Regie: Limeik Topchi), Premiere 2017

Herausgaben (Auswahl):

Werke von Jan Turovski, Nikolaj Tabakov, Rumjana Zacharieva, Thomas Frahm, Meinrad Braun u.a.
Hallo Taxi (Kurzgeschichten), Mannheim/Norderstedt 2001
Taxi-Hörbuch mit Musik (Kompakt-CD; mit Peter Tröster), Mannheim 2005
grenzen.überschreiten. ein europa-lesebuch (Kurzgeschichten; mit der Stadt Mannheim, Sudabeh Mohafez und Dimitré Dinev), Mannheim 2008
grenzenlos. ein literarisch engagiertes europabrevier (Anthologie), Mannheim 2011
europabrevier grenzenlos 2 - eine literarische Bulgarienreise, ein Puzzle & andere Wegbeschreibungen aus der Enge (Anthologie; mit Thomas Frahm), Mannheim 2012
Rumjana Zacharieva: Am Grund der Zeit. Gedichte. Neuauflage, Mannheim 2013
europabrevier grenzenlos 3 - JA. Roman von Nikolaj Tabakov. Aus dem Bulgarischen von Rumjana Zacharieva, Mannheim 2013

WIKIPEDIA

Leseprobe 1. Weltkrieg

Aus einem Brief an den Förderkreis deutscher Schriftsteller Baden–Württemberg (aus dem Englischen):

»Sofia, 14.Januar 2013

(...) Savremennik ist seit mehr als vierzig Jahren die führende Vierteljahresschrift für ausländische Literatur in Bulgarien. Die Philosophie unseres Magazins ist, für bulgarische Bürger und AutorInnen Türen zu anderen Teilen der Welt zu öffnen, zu anderen Sichtweisen auf die Welt (...)

In diesem Zusammenhang sind wir sehr froh (...) den kurzen Roman vom Fell von Klaus Servene zu publizieren. (...) Fell (gibt) eine eindrückliche Innenansicht in unbekannte Dimensionen deutschen Lebens, deutscher Provinz, deutscher Mentalität, in einer herausragenden und originalen literarischen Sprache, voller ausdrucksstarker Szenen und Bilder. Das ist genau, was wir suchen.

Darum versichern wir (...) dass der Roman Fell, in der Übersetzung der berühmten bulgarischen Übersetzerin Emilia Draganova, vollständig in einer der Nummern unseres Magazins in 2013 veröffentlicht wird. (...)

Gez. Vladimir Zarev, editor-in-chief, Vladimir Minkov 2nd editor-in-chief«

Die Übersetzung wurde finanziert vom Förderkreis Deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg e.V. mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg - vielen Dank auch an dieser Stelle!

Drei Presse- und drei Freundesstimmen

Mannheimer Morgen - diesen und weitere MM-Artikel auf Morgenweb.de HIER


Literarischer Zaunkönig, Wien

Glanz und Elend


>> Wer über Klaus Servenes Sätze wandert, merkt nicht, wie begierig er bald den verschiedensten Gerüchen nacheilt. Etwas kocht. Mal in uns, mal in unserer Nähe, denn die Welt bei ihm ist ein Gericht, an dem wir, die Unersättlichen, uns die Zunge verbrennen. << Dimitré Dinev, Wien

>> Klaus Servene schreibt großherzig und sarkastisch zugleich. Ein Mensch mit einer süßen Zunge, mit einem warmen Mund, wie man in Afghanistan sagen würde.<< Massum Faryar, Berlin

>> Nur aus Büchern wie denen Klaus Servenes, eines nackt und ungeschützt auf der Sprache wandelnden Zeitzeugen, erfahren wir noch von einem Deutschland, das zwischen K wie Kaiserreich und K wie K-Gruppen nicht aufgehört hat, grausame Verhärtungen zum Normalfall des Menschen im K wie Kapitalismus zu erklären. << Thomas Frahm, Sofia/Duisburg

Werkauswahl Klaus Servene

Werkauswahl Band 1: Wilder Honig – Lyrik, Essays, Szenen, 264 Seiten, Farbfotos, kartoniert, ISBN 978-3-936625-73-8



Abendstille

Wir werden schmunzelnd in den Gräbern liegen,
wir fahren nach Magnolien, was von uns bleibt
ist wechselhaft, Katzengold und Eintagsfliegen,
Badezeug, Plutonium – und natürlich Plastikfolien.

Ausgewählte Gedichte und Textamente (1970 bis 2015), Essays und Kürzest-Texte, sowie szenische Arbeiten (ab 1995 bis 2015), zuletzt: Mühlbach verreist.













Werkauswahl Band 2: Und über uns – die Brücke der Erwartung; Erzählungen, 192 Seiten, kartoniert, ISBN 978-3-936625-70-7


»Eine faszinierende Reise durch das Unterholz der Gegenwart (...) Geschichten aus Glas, die sich dem Leser ins Fleisch schneiden.« Glanz & Elend, Magazin für Literatur und Zeitkritik

»Wer über Klaus Servenes Sätze wandert, merkt nicht, wie begierig er bald den verschiedensten Gerüchen nacheilt. Etwas kocht. Mal in uns, mal in unserer Nähe, denn die Welt bei ihm ist ein Gericht, an dem wir, die Unersättlichen, uns die Zunge verbrennen.« Dimitré Dinev, Wien

»Klaus Servene schreibt großherzig und sarkastisch zugleich. Ein Mensch mit einer süßen Zunge, mit einem warmen Mund, wie man in Afghanistan sagen würde.« Massum Faryar, Berlin

»Lebendige Geschichten, souverän und wirklichkeitsgesättigt.« Mannheimer Morgen

»Ein Schriftsteller, der tatsächlich seine Geschichten wie Kastanien aus dem Schmutz fischt und sie solange geduldig säubert, bis sie zu glänzen beginnen. Empfehlenswert.« Michael Lehmann-Pape, Leverkusen

Werkauswahl Band 3: Fell & Seife – Zwei Romane, 212 Seiten, kartoniert, ISBN 978-3-936625-74-5


Warum wird der deutsch-belgische Lehrer Patrick Du Trou ermordet – eine reine Namensverwechslung? Inwiefern wird der IT-Spezialist Johannes Deprez das Opfer einer Bluttat aus Eifersucht; einer Tat, die er selbst begangen hat? Und was hat Seife mit Nobels Sprengöl zu tun?

Im »kurzen Roman vom Fell« geht es um die Geschichte eines »Nazijägers«, um politische und genetische Familiengeheimnisse und Schandflecken.

»Die Spur der Seife« behandelt das Thema Gewalt aus der Sicht eines Mörders. Die Spur führt in die Karibik, nach Südindien, nach New York, in den deutschen Südwesten mit seinen Städten und letztlich in den Hunsrück.

»Eine eindrückliche Innenansicht in unbekannte Dimensionen deutschen Lebens, deutscher Provinz, deutscher Mentalität, in einer herausragenden und originalen literarischen Sprache, voller ausdrucksstarker Szenen und Bilder.« Sawrennemik, die führende bulgarische Literaturzeitschrift für ausländische Literatur (Hrsg. Vladimir Zarev), Sofia, zur Veröffentlichung des »Kurzen Romans vom Fell« 2013 in bulgarischer Übersetzung.

»Mit feiner und umfassend differenzierter Sprache, im Stil durchaus angemessen wechselnd und ebenso differenziert gezeichneten Protagonisten erzählt Servene seine beiden Geschichten verletzter Menschen (...) Rückzug von der Welt, Kampf gegen sich selbst, Ohnmacht vor jahrhundertealten Schicksalslinien und doch immer auch ein Funken Hoffnung auf Besserung, auf ein Mehr sind die inneren Themen beider Romane, die für ein intensives Lese-Erlebnis sorgen.« M. Lehmann-Pape, Leverkusen

Werkauswahl Band 4: Hitzkopf, Roman, Paperback, 224 Seiten, 8. Auflage Andiamo-Verlag, Mannheim 2015, ISBN 978-3-936625-72-1
1995. Die Diagnose Krebs befällt die Familie Lorang. Betroffen sind alle, erkrankt ist Justus Lorang, der nach der Überwindung des ersten Schocks umgehend seine Erinnerungen plündert und mit Hilfe seiner Frau Enni und der Ghostwriterin Brunhild von Heppe eine große Stoffsammlung beginnt. Er hat nur zehn Tage Zeit, denn dann wird er operiert und niemand kennt den Ausgang. Sein Ziel ist die Herausgabe eines »selbsttherapeutischen« eigenen Buchs, mit dem er »innere Ordnung« schaffen will, während Brunhild von Heppe eigene publizistische Absichten verfolgt und auch nicht davor zurückschreckt, Justus Lorang diversen Weggenossen gegenüber bereits für tot zu erklären. Sie ist es auch, die Regie führt, wenn mosaikartig das Leben dieses Mannes »seziert« wird, der sich selbst als »das Fleisch gewordene Copyright diverser deutscher Michels« bezeichnet. Aus dessen Tagebuchaufzeichnungen und einigen Briefen seiner diversen weiblichen wie männlichen Weggenossen scheint eine schillernde Person auf, und gleichsam mit dieser Person auch die schillernden Fragen: Woran leiden Männer, auch deutsche aus der Nachkriegsgeneration? Woran erkranken sie und kann man ihnen helfen – wollen sie überhaupt gesund werden?

Aber es geht um noch mehr, als um die Überwindung körperlicher Defekte. Es geht um Selbstbehauptung in einer interessengesteuerten Welt. Es geht um beruflichen Erfolg, um hitzige Übertreibungen, um Zukunftsängste und um Zuversicht.

»Ich stutze in den Faustschlag, der parallel zu dieser Frage kommt, genau auf mein rechtes Auge. Es kommen viele Fragen. Und noch mehr Schläge. Die Schläge sind immer wie kontrolliert. Mal fest und schmerzend, mal fast zart, wie wenn man einen Kumpel aufmuntern will. Sie tun mir weh, ihre Schläge, aber sie sind nicht vernichtend, nicht als einzelne Schläge vernichtend, verstehen Sie Brunhild? Nur in ihrer Gesamtheit sind sie vernichtend. Überall am Kopf knirscht es, und dauernd platzt was anderes auf.«

» ... ein Stück innerer Zeitgeschichte deutschen Daseins über die Jahrzehnte hinweg jener Generation, die man 68er nennt. ... « (Michael Lehmann-Pape, Leverkusen)
» ... Ein amüsanter Michel ... « (Mannheimer Morgen)
» ... Wanderer zwischen Heimat und Welt ... « (Hochwälder Wochenspiegel)
» ... literarischer Hochgenuss ... « (Trierischer Volksfreund)

Aus der Enge. Gedichte, Textamente, Essays, 132 Seiten, Paperback, Edition Rote Zahlen, 3. Auflage Buxtehude 2014, ISBN 978-3-944643-38-0

• Auferstehung •

In Ruinen wirft die Sonne
ein besonders bombastisches Licht,
doch wie im Rückzug begriffen
scheint sie – zu kapitulieren.

Aus dem Aufbruch von schweren Granaten
steigen besonders blasse Monde empor,
und nie gesehene Pflanzen erwachsen.
Innere Wesen weiden auf Gras –
als würde es sie wirklich geben.

In den Meeren zerknicken Wale Harpunen,
eine Raumstation driftet im All,
am Südpol im Eis findet man Runen –
aus der Zeit vor dem Sündenfall.

In kaputten Städten neu geborene Kinder,
am Grund des Flusses ein Klavier,
und auf wüsten Straßen stillen
tätowierte Frauen ein Fabeltier.



Aus der Enge. Gedichte, 84 Seiten, Hardcover, Schutzumschlag, Lesebändchen, Andiamo-Verlag, 4. Auflage Mannheim 2015, ISBN 978-3-936625-67-7


»Man schwimmt und erreicht kein Land. Da freut es einen schon, wenn man eine Boje sieht. Man wird sich an ihr festhalten wollen, um innezuhalten, etwas auszuruhen. So ging und geht es mir schon seit meiner Schülerzeit mit Lyrik. Aber was ich damals mit eigener Feder festzuhalten glaubte, habe ich längst verloren oder weggeworfen. Doch ein paar selbst gefischte Perlen aus den Siebzigern, und natürlich das Beste meiner Lyrik seit Mitte der Neunziger, haben es in dieses Buch geschafft. Ich hoffe zu Recht – denn wenn Lyrik nicht immer wieder neuen Halt bietet, im Lesen und im Schreiben, neuen Grund, den Blick auf die Welt und das Leben zu schärfen, geht sie unter.«
Klaus Servene

Seit Bestehen im Mai 2000 publizierten wir folgende Autorinnen und Autoren (AUSWAHL in alphabetischer Reihung nach Nachnamen):

Farhad Ahmadkhan - Dimo Alexiev - Minnet Atil - Zsuzsa Bánk - Aviva Barkhourdarian - Rolf Bergmann - Doris Bewernitz - Marica Bodrožić - Ariane Böckler - Christo Botev - Meinrad Braun - Silvana Braukmann - Irena Brežná - Mascha Buchen - Charles Bukowski - Canis Dei - Nikias Chryssos - Zehra Çirak - Christiane Daubermann - Manfred Dechert - Jean-Philippe Devise - Kristin Dimitrova - Dimitré Dinev (Autor u. Hg.) - Siegfried Einstein - Massum Faryar - Diana Feuerbach - Thomas Frahm (Autor, Übersetzer, Hg.) - Daniel Glattauer - Reinhard Griebner - Ralph Günther - Bille Haag - Hippe Habasch - Ilka Christiane Haederle - Gertrud Häfner - Jochen Hörisch - Peter Houska - Mirela Ivanova - Elias Jammal - Evelina Jecker-Lambreva - Yadé Kara - Wolfgang Klein - Helga Köbler-Stählin - Hubert Kölsch - Uwe Kräuter - Ivan Kulekov - Rudy Kupferschmitt - Adolf Kutschker (Autor u. Hg.) - Anke Laufer - Manfred Loimeier - Sunil Mann - Georgi Markov - Stojan Mihajlovski - Hanno Millesi - Sudabeh Mohafez (Hg.) - Pega Mund - Jürgen Nielsen-Sikora - Paraskeva Nikoltscheva-Mau - Konstantin Pavlov - Claus Probst - Rea Revekka Poulharidou - Sylvie Schenk-Gonsolin - Rainer Schildberger - Darina Schneider - Klaus Servene (Autor u. Hg.) - Amaryllis Sommerer - Marina Stepnova (Übers. von Marlies Bilz und Angelika Starobinskaja) - Nikolaj Tabakov - Kalin Terzijski - Christine Thiemt - Limeik Topchi (Regisseur, Schauspieler, Ideengeber) - Sabine Trinkaus - Peter Tröster (Hg. u. Komponist) - Jan Turovski - Alessandra Volpe (Hg.) - Angel Wagenstein - Frank Wallenta - Rainer Wedler - Werner Weimar-Mazur - Stephan Weiner - Ina Weixler - Ursula Wiegele - Kirsten Wilczek - Rumjana Zacharieva (Autorin, Übersetzerin) - Peter-Paul Zahl - Vladimir Zarev - Christian von Zimmermann - Galina Zlatareva



Klaus Servene im Interview mit Helga Köbler-Stählin (Mannheimer Morgen) - Foto: (c) Manfred Rinderspacher

Darina Schneider: Sehsucht. Gedichte.


pack mich piano
am dunkelsten tag
wenn mars' kräfte weichen
meteoriten in leerlauf verharren

halt mich pianissimo
im stillsten sturm
wenn venus ermüdet
polarlichter in schwärze erfrieren

schnapp mich – vite vite
in sanfter schlacht
wenn aphrodite welten verschlingt
sonne mit polkappen verklebt

lieb mich forte
in hellster nacht
wenn monde untergehen
schnuppen den rückzug wählen

ufos sprengen dein
stern
welt
bild

Selten hat eine Lyrikerin so lange Gedichte in sich getragen. Selten sind Werke noch vor dem Aufschreiben so abgeschlossen gewesen. Darina Schneider hat offensichtlich die üblichen Entwicklungsstufen des Werdens als Schreibende übersprungen und uns Erstlinge als fertige Werke vorgelegt. Gedichte in einer modernen Sprache (Nekrose, Kardiosklerose, Snooze usw.) mit einem natürlichen inneren Rhythmus, der vom Duktus der Notwendigkeit bestimmt wird, uns Lesern bewegende und bedrängende Lebensinhalte und Alltäglichkeiten mitzuteilen.

Mikro- und Makrokosmos reichen sich in den Zeilen der Lyrikerin die Hand. Weibliche Leidenschaft und Erotik schimmern durch das präzise Gewebe der Worte.

Klaus Servene
Herausgeber

Anmerkungen zu den Gedichten SEHSUCHT von Darina Schneider

Frieden nicht Waffenstillstand – was für ein „Anspruch“! Die Jungautorin erforscht mit ihrer Lyrik gleichermaßen das Leben und die Sprache. Das könnte banal daherkommen, verblüfft aber immer wieder mit Metaphern, die zum Nachdenken anregen. Speere voll Ehrfurcht, jauchzende Ampeln, Kolonien voll Achtsamkeit, Ewigkeit schlemmende Maden – überbordende Phantasie oder Gehhilfe aus dem Einerlei unseres Alltags, aus der Trostlosigkeit des Gewohnten?

Kichern unterm Leichentuch? Da will etwas entkommen, will Neues entdecken und sich selber finden! Sehsucht. In diesem Titel und in der Fülle und Ausgewogenheit der einzelnen Texte findet sich geballt der Wille, vorwärts zu gehen aber gleichzeitig einzudringen in etwas Inneres, Eigenes und doch Unbekanntes.

Sehsucht, vielleicht kennt sie jeder auf seine Weise, aber wer vermag dies Wissen so zu komprimieren und gleichzeitig zu öffnen, zu entfalten!

Freuen wir uns darauf, was der Sehsucht Darina Schneiders noch begegnen wird.

Dr. Ilse Zilch-Döpke, Berlin

Darina Schneider, geb. 1980 in Bonn, Praktikum und Studium im Bereich der Pharmazie, entschied sich nach sechs Jahren Berufspraxis in Apotheken einen ganz neuen Weg einzuschlagen. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Medienproduzentin Bild und Ton, sammelte Erfahrungen während zahlreicher Reisen in Zentralamerika und Asien.
Mit „Sehsucht“ legt sie ihren ersten Gedichtband vor.

Hardcover mit Schutzumschlag, 48 Seiten, 14.80 €, ISBN 9783936625844

Jan Turovski: Der Fall Odile Féret

Roman, kartoniert, 204 Seiten, ISBN 978-3-936625-85-1

Jahre, nachdem Paul Leduc offiziell in seinem eigenen Haus einem Feuer erlegen, bis zur Unkenntlichkeit verbrannt ist, sieht ihn seine ehemalige Mitschülerin Odile Féret, plötzlich und vollkommen unerwartet, im Küstenort Gravelines am Ärmelkanal, wohin sie eine Busreise unternommenn hat. Paul Leduc lebt!

Odile, eine Frau mit einem geregelten Alltag im belgischen Kleinstadtmilieu und mit einem klaren Kopf, mit geregelten Gefühlen ohne besondere Ausschläge, wird nun nicht mehr zur Ruhe kommen. Sie hat ihn wiedergesehen, den sie, ohne dass er es ahnte, immer geliebt, bewundert und auch beobachtet hat, ohne ihm je ihre Gefühle zu offenbaren. So, wie sie sich selbst nicht verraten hat, wird sie auch ihn nicht verraten, hierin ihren literarischen Vorbildern nacheifernd.

Rund dreißig Jahre nach seinem Romandebüt Die Sonntage des Herrn Kopanski bei Benziger, Zürich, legt Jan Turovski mit seinem neunten, veröffentlichten Roman eine Coming in age Geschichte vor, in der erneut Sprache, Beobachtung, Spannung und auch Humor faszinierend neu verbunden werden.

"Der in Bonn lebende Jan Turovski gehört zu jenen Autoren, die bemerkenswert gute Literatur schreiben, ohne großes Aufheben von sich zu machen." Mannheimer Morgen

Nathan der Weise - Mannheimer Neuinszenierung 2017



Besprechung in der Wormser Zeitung.
Mannheimer Morgen.
Bericht "Animus Klub" mit vielen Fotos.
Dokumentation und Neues auf der Webseite der Internationalen Freien Theatergruppe Unser Theater.

Wussten Sie, dass "Nathan der Weise" 1779 in Mannheim inoffiziell uraufgeführt wurde?

"UnserTheaTer" zeigt Lessings berühmten Klassiker in einem neuen Gewand. Die Philosophie "Alle anders - Alle gleich" spiegelt sich in diesem Stück in besonderem Maße wider. Zudem spannt der Weltchor den Bogen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Hierfür wurden Filmszenen gedreht, die während der Aufführung eingespielt werden.

"UnserTheaTer" besteht aus Menschen internationaler Herkunft. Sie leben in Mannheim und der Metropolregion Rhein-Neckar.

Aufklärung - ein Fest! Lassen Sie sich inspirieren und von der "UnserTheaTer"-Lebenslust anstecken.

Regie und Gesamtleitung: Limeik Topchi
Assistenz: Annette Hammerstein
Neue Bühnenfassung: Klaus Servene in Zusammenarbeit mit Limeik Topchi
Bühnenbild: Prof. Dr. Spartak Paskalevski
Kostüme: Dzevada Christ
Videoproduktionen: Tatiana und Artem Gratchev
Fotos: Tatiana Gratchev
Musik-Collage/Licht: Artem Gratchev
Technische Hilfe: Gerhard Müller

Ensemble: Brigitta Martin (Sultan Saladin), Larissa Fritsch (Sittah), Monika Loser (Nathan), Betül-Bengü Soyupak (Recha), Annette Hammerstein (Daja), Leo Kawe (Tempelherr), Beate Gerbil und Sharif Tavakuli (Derwisch), Dirk Mühlbach (Patriarch), Klaus Becker (Klosterbruder), Mariana Arnaudova (tote Ehefrau Nathans);

sowie für Filmeinspieler eines "Weltchors" zusätzlich viele andere mehr: Esther Reche Callardo, Hasan Yurt, Murat Görgülü, Filiz Lunkaya, Ali Elfeky, Nino Janiashvili, Helmut Schäfer, Mesude Schmidt, Sümmeya Ugurlu, Reggy Nur, Ali Yurt, Ulla Zellmann-Seyfferth, Margarita Zarkova, Burak Görgülü, Daniela Cohrs, Aleksandra Burger, Arman Colon-Flores, Mathias Wendel, Ebru Ramisova, Matthias Boeker, Alisia Uzunova, Theodor Burger, Sara Baraiac.

Uraufführung bzw. Premiere am 18. März 2017 im Theatersaal der Abendakademie Mannheim (im Rahmen der UN-Wochen gegen Rassismus).

25. März: Lincoln-Theater Worms.

7. April: Kulturkirche Epiphanias Mannheim.

29. April: Bürgerzentrum Heidelberg-Kirchheim.

8. Juli: Museumsschiff Mannheim

29. September: Theater Mobile Zwingenberg

1. November: Cinema Quadrat, Mannheim (Aufzeichnung der Premiere)

Der Kurzfilm - Der Patriarch kommt und urteilt (Videoproduktion - Tatiana und Artem Gratchev) - ist ein wesentlicher Teil der Inszenierung.

Youtube-Trailer Hier.

Drehbuch und Regie: Klaus Servene.
Mit:
Dirk Mühlbach als Patriarch,
Matthias Boeker (aka Beaker Pox),
Mathias Wendel.

Gesamtverantwortung für die Theater-Projekte "Nathan der Weise" und "Flirt mit dem Tod", Kontakt und Leitung Ensemble "Unser Theater":
Limeik Topchi, Schauspieler & Regisseur
E-Mail: info@unser-theater.com
(c) Beide Bühnentexte: Klaus Servene, Mannheim



„Nathan der Weise“ als öffentlicher Selbstverteidigungskurs gegen den umgreifenden Inhumanismus - Zur Entstehung der „Mannheimer Neuinszenierung“

Als ich den Schauspieler, Regisseur und Schauspieldozenten Limeik Topchi kennenlernte, bei einem „Internationalen Suppenfest“ in der „Begegnungsstätte Westliche Unterstadt“, ahnte ich nicht, dass ich mein geplantes (und inzwischen wieder vergessenes) „Kürzertreten“ als Autor und Herausgeber (von rund 60 Büchern) erneut würde verschieben müssen. 2015 probte er mit Engagement und Enthusiasmus für „Heymes Sturm“ und wir trafen uns im Café der Abendakademie, wo er mir seine bereits sehr detaillierten Ideen zum Stück „Flirt mit dem Tod“ so eindrücklich schilderte, dass ich sofort begann, den Theatertext niederzuschreiben. Der Faszination des Themas sind glücklicherweise nicht nur Topchi und ich erlegen, sondern bereits im Jahr darauf auch die zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauer im gleich zwei Mal hintereinander ausverkauften Capitol-Casablanca: ein „Mannheimer Jedermann“ (Presse) war geboren – aber Topchi hatte bereits vor der Premiere darauf insistiert, ein weit größeres Projekt mit über dreißig Beteiligten in Angriff zu nehmen: Nathan der Weise.

Zu Lessings Zeiten wie heute prallen weltweit religiöse Weltbilder aufeinander, wird Religion zu einem politischen Werkzeug zur Durchsetzung von Machtinteressen. Hass wurde und wird erzeugt, Hass auf die „Anderen“, er entlädt sich in alltäglichem Terror und in exzessiver Gewalt.

Und darum hat auf Topchis Anregung „Unser Theater“ (zunächst in Form meiner Textarbeit), 15 Jahre nach 9/11, der Seele von Lessings Lehrstück nachgespürt, jenes „materialistischen Aufklärers“ (Fritz J. Raddatz). Im vollen Bewusstsein darüber, dass es sich hier um eines der bedeutendsten Theaterstücke in deutscher Sprache handelt. Welches übrigens noch zu seinen Lebzeiten zum ersten Mal in Mannheim (nichtöffentlich) aufgeführt wurde; und zwar offenbar zwischen dem Termin der Erstveröffentlichung des Nathan zur Leipziger Ostermesse 1779 und dem 15. Oktober 1779. Letztes Datum trägt ein Brief aus Mannheim, als Quelle zitiert im "Theaterkalender auf das Jahr 1781, Gotha". (Den Fakten von "wesentlicher Relevanz" nicht nur für die Mannheimer Theatergeschichte ist dankenswerter Weise Frau Liselotte Homering vom REM "auf der Spur" ...)

Zu Ostern 2016 entstand eine erste Fassung, welcher in engster Zusammenarbeit mit Topchi und in der Folge mit seinem Ensemble weitere Fassungen folgten. Galt es doch, das Stück zu kürzen und auf Wunsch des Regisseurs um meine eigene Lyrik anzureichern; dies nicht im Sinn einer mutwilligen Collage, sondern eines Herausarbeitens von Lessings Intention. So gehören Filmeinspielungen eines „Weltchors“ zu dieser Inszenierung. Ebenfalls fester Bestandteil der Neufassung ist eine filmische Einspielung der Patriarchenszene. Dadurch wird über das persönliche Schicksal eines Schauspielers hinaus eine allgemeine menschliche Tragik auf den Punkt gebracht: Der Mannheimer Schauspieler Dirk Mühlbach spielt den „herzlosen“ Patriarchen. Seit dem 18. September 2014 kann er seinem Schauspielerberuf nicht mehr nachgehen. Seitdem steht er nämlich auf der Warteliste der Heidelberger Herzchirurgie und wartet auf ein Spenderherz. Seit dem 18. September 2014 hängt sein Leben an einem sogenannten Kunstherzsystem.

Auch wird Nathans Ehefrau und seinen toten Söhnen eine gewichtigere Rolle gegeben, die Schlüsselszene ist eher ein Auftritt Nathans und des Klosterbruders als die bekanntere Ringparabelszene ...

Antworten und Fragen wurden gefunden, die helfen können, unsere Gegenwart besser zu verstehen und gerade hier und jetzt eine klare Haltung zu zeigen. Die Einzigartigkeit des „dramatischen Poems“ aus einer längst vergangenen Zeit soll aufgefrischt werden. Im Sinne Lessings wird „der ganzen Welt“ gezeigt, dass zur Brechung jedweder Gewaltunkultur Verständigung und Verstehen, Toleranz, ja Duldsamkeit erforderlich sind. Ihr Scheitern würde ein Versinken ins Chaos und in die Barbarei bedeuten.

„Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“, dieser Kant-Spruch gilt heute mehr denn je.

Februar 2017, Klaus Servene, Autor & Herausgeber

Wolfgang Heribert von Dalberg und Lessings Nathan der Weise

Kurze Anmerkungen zu einem kaum bekannten Theaterskandal aus der Anfangszeit des Mannheimer Nationaltheaters

© Liselotte Homering, Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Abteilung Theater- und Literaturgeschichte

Für Klaus Servene

Im Internet ist an manchen Stellen die Rede davon, Gotthold Ephraim Lessings „Dramatisches Gedicht“ Nathan der Weise, 1779 im Druck erschienen, sei in Mannheim am 15. Oktober 1779 uraufgeführt worden, und zwar durch eine semiprofessionelle Theatertruppe. Das ist nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig, zumindest, was das Aufführungsdatum betrifft. Aber dieses ist entscheidend.

Im Verlauf der intensiven Vorbereitung für einen Vortrag über den Intendanten des Mannheimer Theaters von 1778 bis 1803, Wolfgang Heribert von Dalberg (1750-1806), hat sich folgender und bisher wenig beachteter Sachverhalt ergeben. Bekanntlich musste Kurfürst Carl Theodor (1724-1799) aufgrund der wittelsbachischen Hausverträge infolge des plötzlichen Todes des bayerischen Kurfürsten Maximilian III. Joseph, 1777/1778 die Regentschaft übernehmen und seine Residenz nach München verlegen. Dies hatte den Umzug fast des gesamten Hofstaats im Herbst 1778 nach München zur Folge. Damit ging Mannheim beinahe aller seiner weithin berühmten wissenschaftlichen und kulturellen Einrichtungen und des jeweils dazu gehörigen Personals verlustig (besonders betroffen waren im künstlerischen Bereich die Hofmusik, die Hofoper und das 1777 gegründete deutschsprachige Theater in B 3, das Nationaltheater).

In dieser für die Stadt hochprekären Zeit setzte sich besonders für den Erhalt wenigstens des Nationaltheaters und das Engagement eines neuen Ensembles der junge Wolfgang Heribert von Dalberg mit überzeugender Vehemenz beim Kurfürsten ein. Dieser berief ihn zum Intendanten und beauftragte ihn mit der Fortführung des deutschsprachigen Schauspiels in Mannheim.

Aufgrund mancher positiver Umstände hatte Dalberg bald ein sehr gutes und überwiegend junges Ensemble zusammenengagiert mit den (angehenden) Stars Johann Michael Böck, August Wilhelm Iffland, Esther Charlotte Brandes und vielen anderen. So überraschte es auch nicht, dass der äußerst ambitionierte, eben mal 28 Jahre zählende Intendant, für die geplante Wiedereröffnung der Bühne im Herbst 1779 einen Auftakt nach Maß hinzulegen beabsichtigte. Dafür wandte er sich zunächst über seinen berühmten und kulturaffinen Bruder, den geistlichen Staatsmann Carl Theodor von Dalberg (1744-1817) in Erfurt, der ausgezeichnete Beziehungen zum Weimarer Hof unterhielt, an Johann Wolfgang von Goethe. In einem Brief bat Dalberg darum, dessen gerade in privater Gesellschaft erstmals aufgeführtes und noch ungedrucktes Drama Iphigenie auf Tauris als erster zur öffentlichen Aufführung zu erhalten.

Allerdings gab ihm Goethe einen Korb, weil er das Stück prinzipiell noch nicht für aufführbar hielt. Also scheint die Suche weitergegangen zu sein, und nun kommt Lessings Nathan der Weise ins Spiel: Dalberg konnte sich auf einen ausgezeichneten und erfahrenen Berater in Gotha verlassen, den Schriftsteller, Theaterkenner und –autor Friedrich Wilhelm Gotter (1746-1797), mit dem er schriftlichen, aber offenbar auch persönlichen Austausch pflegte. Es ist möglich, dass dieser dem frisch gebackenen Intendanten vorschlug, sein Theater mit der Uraufführung von Lessings zwar 1779 veröffentlichten, aber noch an keinem Theater gespielten Nathan zu eröffnen. Dies hätte das Mannheimer Theater schon zweieinhalb Jahre vor der spektakulären Schiller’schen Räuber-Uraufführung (1782) auf einen Schlag in aller Munde sein lassen.

Es ist ein wenig spekulativ anzunehmen, dass Lessing sein Einverständnis gegeben haben muss, das Stück zunächst (versuchsweise?) im Rahmen einer privaten Gesellschaft in Mannheim aufführen zu lassen.

In dieser trafen sich professionelle Schauspieler, möglicherweise aus dem neu engagierten Ensemble, sowie Laiendarsteller, zu denen auch Wolfgang Heribert von Dalberg und dessen Frau Elisabeth Augusta zählten.

Diese inoffizielle Aufführung hat mit Sicherheit zu einem Zeitpunkt stattgefunden, als das neue Haus noch nicht eröffnet war. Aus einem Brief von Friedrich Wilhelm Gotter wissen wir, dass sich offensichtlich die „Geistlichkeit“ (er schreibt die „Schwarzröcke“) gegen eine offizielle Aufführung dieses dem Humanismus, aufklärerischer Toleranz und Religionsfreiheit verpflichteten Stückes ausgesprochen haben muss.

Dass Lessing einen Juden zum positiven Helden seines Stückes gemachte hatte, mag die „Schwarzröcke“ zusätzlich aufgebracht haben. Dalberg fügte sich dem Verdikt offensichtlich, wofür Gotter ihn aus Gotha unmissverständlich rügte.

Vermutlich war durch die vergebliche Suche nach einem bedeutenden Eröffnungsstück allzu viel Zeit vergangen. Und so wurde das neue Nationaltheater weder mit Goethes Iphigenie, noch mit Lessings Nathan, eröffnet, sondern am 7. Oktober 1779 mit einem bekannten Stück, das wohl die meisten der Schauspieler/innen schlichtweg „drauf“ hatten, mit Johann Christian Bocks Lustspiel nach Carlo Goldoni Geschwind, ehe es jemand erfährt oder Der besondere Zufall.

Der Eindruck entsteht, dass Dalberg sich unter erheblichen Erfolgsdruck gesetzt hatte. Schließlich musste er unter Beweis stellen, dass die Entscheidung des Kurfürsten für den Erhalt des Mannheimer Theaters gerechtfertigt war. So überrascht es kaum noch, dass der Intendant die nächste sich bietende Gelegenheit beim Schopf packt, um den Theatercoup seines Lebens in Szene zu setzen Um jeden Preis zieht er 1782 die Uraufführung von Friedrich Schillers verwegenem Bühnenerstling Die Räuber durch und macht mit einem Schlag das Mannheimer Nationaltheater zu einer der berühmtesten Bühnen Deutschlands, die fortan durch nichts mehr wegzudiskutieren ist. Dalberg selbst schreibt damit internationale Theatergeschichte. Und Mannheim erhält mit Friedrich Schiller seinen ersten fest vertraglich engagierten Theaterdichter.

Die offizielle Uraufführung von Nathan der Weise fand am 14. April 1783 durch die Döbbelinsche Truppe im Theater an der Behrensstraße in Berlin statt. Weder Goethes Iphigenie noch Lessings Nathan der Weise erblickten noch während Dalbergs Intendanz das Licht der Mannheimer Bühne.

Der erwähnte Vortrag über Wolfgang Heribert von Dalberg, der zum Teil weitere neue Erkenntnisse enthält, wird mit allen wissenschaftlichen Nachweisen in der Abschlusspublikation zur Tagung „Carl von Dalberg (1744-1817) und sein Umfeld“, die vom 10. bis 12. Februar 2017 in Aschaffenburg stattgefunden hat, im Spätherbst dieses Jahres erscheinen.

Mannheim, 19. März 2017 Home

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Nicht mal sechs ist das Mädchen, als ihre Mutter von Jugoslawien nach Deutschland auswandert. Sie bleibt mit dem Vater allein zurück, wird früh zu den notwendigen Arbeiten auf dem Hof herangezogen. Trotz vieler Glücksmomente verläuft diese Kindheit alles andere als „normal“, das Mädchen ist einsam, der Vater schlägt sie, die Mutter hat in der Familie ein großes Loch hinterlassen ...

„Da sich alles im Leben um das Papier zu drehen scheint, habe auch ich diese meine Geschichte vom Herzen auf Papier übertragen. Alles, was mir weh tut, übertrage ich auf Papier. Wenn es dieses Papier nicht gäbe, wüsste ich nicht einmal, dass ich zwei Schwestern und einen Bruder habe“, schreibt die Autorin und widmet ihren Roman „den Opfern häuslicher Gewalt und den an der Arbeitsmigration zerbrochenen Familien.“

Die wahrhaftige Erzählung einer ergreifenden und spannenden Identitätsfindung.

Julia Richter ist Unternehmerin und Buchautorin. Geboren in Jugoslawien, übersiedelte sie 1989 nach Deutschland. Sie lebt seit 1992 in Mannheim.