NEU Jan Turovski: Kopanski kehrt zurück

Besprechung Mannheimer Morgen 23./24. Mai 2018
"(...) Die narrative und perspektivische Suggestivität von Turovskis Schreiben entfaltet auch hier einen Sog, dem sich der Leser schwer entziehen kann. (...)"
Jan Turovski, Klaus Servene (Hg.): Kopanski kehrt zurück, Roman, Paperback, 192 Seiten, ISBN-13: 9783746080741, edition andiamo, Hamburg; Verlag: Books on Demand, Erscheinungsdatum: 22.02.2018, 13,90 €, Leseprobe im BoD-Buchshop Hier.

Fünfzehn Jahre hat Kopanski wegen Mordes gesessen. Mit nichts als einem alten Schweinslederkoffer seines Vaters und dem im Gefängnis erworbenen Verdienst steht er nun plötzlich draußen. Was soll er tun? Schnell kehrt er seiner Heimatstadt, der er vieles nicht verzeihen kann, den Rücken und fährt in die nächstgrößere Stadt Richtung Süden. Schon als Kind hatte er davon geträumt dort zu leben. Frauen hat Kopanski satt. Doch plötzlich trifft er auf Nadine, die ohne Bleibe aber voller Geheimnisse ist. Wie wird er zurechtkommen, gibt es für Mord nach der Strafe so etwas wie ein gelingendes Leben?

"Jan Turovski erzählt mit der gleichen sprachlichen Brillanz und Fertigkeit die Fortsetzung seines Erstlings von 1988, Die Sonntage des Herrn Kopanski. Zwischen lakonischem und poetischem Duktus entsteht ein Bild heutiger Wirklichkeit, in der Scheitern und Gelingen gleichermaßen möglich scheinen. Jan Turovski überrascht von Buch zu Buch mit völlig neuen dramaturgischen Mitteln und Themen, die die erstaunliche Bandbreite seines Könnens abbilden." Rumjana Zacharieva, Autorin, Übersetzerin und Publizistin, Mitglied im PEN.

"Der in Bonn lebende Jan Turovski gehört zu jenen Autoren, die bemerkenswert gute Literatur schreiben, ohne großes Aufheben von sich zu machen." Mannheimer Morgen

Herr Turovski ist längst zurück! – Empfehlung eines Ungewöhnlichen

In der Vorwendezeit Ende der Achtziger rezensiert Karl-Markus Gauß in der ZEIT den »späten Erstling« des Bonner Autors Jan Turovski: »Die Sonntage des Herrn Kopanski.« 1988 bei Benziger in Zürich erschienen und von Kritik und Publikum durchweg positiv beachtet. Turovski war vorher als Lyriker und Autor zahlreicher Kurztexte in Erscheinung getreten. Bei Benziger sollte dann die Herausgabe seines zweiten Romans »Der Rücken des Vaters« folgen, aber in den turbulenten Wendezeiten verschwanden sowohl »der eiserne Vorhang«, der Benziger Literaturverlag (nach einer Zwischenstation als Eigentum der RHEINPFALZ), als auch das Interesse der wendebeschleunigt kurzatmig agierenden Literaturfachleute, die sofort nach dem großen Wenderoman fragen sollten. Nicht Turovskis Sache, den doch »vom Alltag zerfressene Leidenschaften« interessieren, Soziopsychogramme von Individuen und nicht »Gesellschaftsromane«. Seine »Sonderlinge« kommen überwiegend aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft, sie können den Blick neu schärfen – auf die zwischenmenschlich möglichen Verhaltensweisen, und sie werfen fast immer mehr Fragen auf, als sie Antworten geben.

Seit seinem Romandebüt hat Jan Turovski (in aller Stille!) insgesamt sage und schreibe 15 (fünfzehn) Romane, diverse Novellen und Erzählungen und rund 140 Short-Stories neben seiner Lyrik geschrieben. »Der Rücken des Vaters« ist von mir 2013 neu bei Andiamo herausgegeben worden und 2015 bereits in dritter Auflage erschienen. Es freut mich, nach der Herausgabe weiterer Titel dieses Ausnahmeautors, zum 30jährigen Jubiläum des Romandebüts in 2018 sowohl »Die Sonntage des Herrn Kopanski« als auch die Fortsetzung »Kopanski kehrt zurück« publizieren zu können. Damit liegen nun zehn der fünfzehn Romane vor. Es gilt jedoch, weiterhin das phänomenale Werk Schritt für Schritt vor dem Vergessen zu bewahren. Jan Turovski hat das verdient. Zurecht bemerkte der Mannheimer Morgen: "Der in Bonn lebende Jan Turovski gehört zu jenen Autoren, die bemerkenswert gute Literatur schreiben, ohne großes Aufheben von sich zu machen." Solche bemerkenswert gute Literatur, solche Autorinnen und Autoren, werden gebraucht. Auch das lesende Publikum hat das verdient.

Klaus Servene, Autor und Herausgeber