Nikolaj Tabakov in Mannheim





Nikolaj Tabakov in Mannheim

Seht, wie das Kind sich verhält! Beobachtet es im Nachmittagslicht im Park. Seht, wie es sich von der Hand seiner Mutter lösen will. Jemand, der stärker ist, größere Autorität besitzt als die Mutter, ermutigt das Kind, befreit es. Erlaubt ihm nicht nur ETWAS vom Leben, sondern schlicht und einfach DAS LEBEN, tut ihm kund, dass das Leben ein Ja ist. (Kalin Janakiev, Religiös-philosophische Überlegungen)

Spätestens als Rumjana Zacharieva beim Lesen aufstand, um "den Boden spüren zu können", waren die Zuhörer in die Welt Tabakovs eingetaucht. In einer humorvollen und lockeren Art überwand die Übersetzerin alle Sprachbarrieren zwischen den Besuchern und dem bulgarischen Autor Nikolaj Tabakov, um gleichzeitig die Definition der klassischen Lesung hinter sich zu lassen. Klar; gelesen wurde viel. Auf Bulgarisch, auf Deutsch; in simultaner Übersetzung oder direktem interkulturellem Austausch. Wobei nicht klar war, ob Tabakov genau verstand, wenn Zacharieva ihn auf Deutsch ermunterte, doch einfach mal zu erklären, wen und was er denn in seinem Roman "Ja." erschaffen hatte. "Das Genre der Bulgaren ist die Kurzgeschichte", sagte der Autor. "Das habe ich bewusst verlassen und einen Roman geschrieben, der praktisch alle Genres vereint." Soweit, so kryptisch - oder besser kyrillisch? Die Übersetzerin nahm den Faden auf und als Nikolaj Tabakov und Rumjana Zacharieva nacheinander vorzulesen begannen, war schnell klar, dass hier Bulgarien in all seinem Facettenreichtum aufgezeigt wird. Es geht um ein kleines Tal und seine Bewohner im Kampf gegen Immobilien-Spekulanten. Ein Idyll ist in Gefahr. Das merken auch Wesko, der sich in Bozhana verliebt und zurück geliebt wird, von den anderen Dorfbewohnern deswegen gehasst, und Kamen, der, genau wie alle anderen, verhindern will, dass das Tal, Projektionsfläche von Tradition, Kutur und individuellen Lebensentwürfen zur Disposition steht. Das Auf und Ab im Roman überträgt sich sehr schnell auf den Leser. Das Buch kann einfach nicht zur Seite gelegt werden.

"Ja." von Nikolaj Tabakov ist die optimistische Antwort auf die moderne Negation, die sich durch alle Gesellschaften zieht. "Als ich den Titel, das erste Mal las", sagt die Übersetzerin. "dachte ich nur: Oh mein Gott, wie kann ein moderner Autor einem Buch nur solch einen Titel geben. Doch schon nach den ersten Seiten habe ich es verstanden: Es geht um den Wunsch 'Ja' zum Leben zu sagen."
In der Thalia-Buchhandlung in Mannheim hatten die Besucher dies anhand eines verschmitzt lächelnden Nikolaj Tabakovs und einer charmant-aufgebrachten Rumjana Zacharieva schnell verstanden.













 
Der Autor:
Nikolaj Tabakov wurde 1956 im Dorf Mandritza im Bezirk Ivajlovgrad geboren. Er studierte bulgarische Philologie an der Hl. Kliment Ochridski-Universitätin Sofia. 1991 erschien sein Erstling „Auf dem Wasser malen“. 2201 der Roman „Pinokio“ gefolgt von „Allen Pronomen gewidmet“ (2004), „Roman S“ (2007) und „Es wird nicht immer so sein“ (2009). Im selben Jahr erhielt der Autor den großen Preis des bulgarischen Schrifttstellerverbandes für den besten Roman des Jahres.

Die Übersetzerin:
Rumjana Zacharieva wurde 1950 in Batlschik/Bulgarien geboren. Bereits 1964 erschienen erste Veröffentlichungen in der überregionalen Presse Bulgariens. 1970 machte sie ihr Abitur am Eglischsprachigen Gymnasium Russe an der Donau (ehem. Rustschuk). Bis zu ihrer Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland 1970 besaß sie keine Kenntnisse der deutschen Sprache. Bulgarisch, Russisch und Englisch waren die drei Sprachen, die sie beherrschte. Nach einem Jahr Deutsch im Sprachlabor und Studienkolleg an der Universitär Bonn studierte sie Anglistik und Slawistik und schloss 1977 ihr Studium mit dem M.A. ab. Seit 1975 schreibt R. Zacharieva deutsch, seit 1989 auch für den Rundfunk.  

   







Mannheim, Thalia-Buchhandlung, Mittwoch, 11. September 2013
Klaus Servene, Rumjana Zacharieva, Nikolaj Tabakov, Ulrich Wellhöfer, Stephan Weiner